Samstag, 21. März 2009

I Heart LDN

Gerade wollte ich wieder schreiben, dass das Frühjahr mich stets in die Zwickmühle bringt, zwischen Freude ob Helligkeitsdauer (endorphinbedingt Glück ohne sozial und finanziell problematische Induktion mittels Alkolika) und Trauer ob derselben (sozialer Ausgehdruck) zu entscheiden. Dann fiel mir ein, dass ich das schonmal getan habe, mindestens letztes Jahr. Und dann fiel mir ein, dass das mit dem Ausziehen-sobald-die-Temperatur-über-5-Grad-steigt-und-der-Welt-blanke-Haut-ohne-Rücksicht-auf-deren-Zustand-zumuten vor allem im von mir hochgeschätzten Britain zu finden ist, was mich wirklich nicht davon abhalten kann, dieses Land in all seiner Obskurität zu schätzen. Der letzte, hier angedeutete Kurztrip, änderte daran nichts, auch und vor allem, weil ich nicht Opfer eines knife-crimes wurde sondern das Kriminellste, was mir begegnete der Diebstahl der Oystercard des Mitreisenden sowie die Wechselkurse auf der Oxfordstreet waren (die aber, wie sich herausstellte, offenbar Verhandlunssache sind. Wir bekamen nach 20 Sekunden Gesichtverziehen und Geldscheine wegnehmen widerspruchslos einen deutlich besseren Kurs angeboten. Dies stärkte mein ohnehin nur brüchiges Vertrauen in die internationale Finanz-und Währungssystematik nicht wirklich).
Nicht mal im Nachtbus, der uns aus dem großartigen GAY Late aus dem tiefsten West End ins Hotel brachte, ging es irgendwie so zu, wie es mich die "I was knifed in a Nightbus for looking at the...driver!"-Stories aus meiner Lieblingsinformationsquelle, dem "Love it!"-Magazin (70 pence, und jeder davon ist sein Geld wert...Überschriften wie "My dog exploded doing a wee!" oder "Help me, I´m shrinking!" erübrigen jede Diskussion über publizistische Notwendigkeit.) kannte. Beim Versuch, dieses göttliche Heft käuflich zu erwerben war ich, genau wie beim letzten Mal in London, als ich versuchte, ein "Hello!"-Magazin (sowas wie die BUNTE, nur deutlich schamloser im Erkaufen der Homestories bedeutungsloser d-lister) zu kaufen, erneut von einem südostpazifisch migrierten Kioskbetreiber skeptisch bis angewidert gemustert worden. Gut, ich hätte es vielleicht nicht als "newspaper" bezeichnen sollen. Trotzdem kann ich auf die moralischen Urteile dieser Herren verzichten. Ich nehme an, es handelt sich bei ihnen um hardcore Diana-Fans, die immer noch denken, die Paparazzi und nicht die Gurtallergie der Königin der Herzen habe zu ihrem Frühableben geführt. Anyway.
Der Besuch im GAY-Late zählte unbestritten zu den Highlights eines an Highlights nicht armen Kurzaufenthalts (ZDF-Sprech)...man muss sich das vorstellen wie die Busche , wobei Andrea Berg durch Lady Gaga und die Frauen mit Bürstenhaarschnitten aus Marzahn mit attraktiven Gays, die Heteroladies schamlos, aber durchaus freundlich komplementieren (ich nehme an, es hat irgendwas mit Brüsten zu tun) , ersetzt werden. Es ist also im Grunde genommen die beste Tanzgelegenheit aller Zeiten, auch und vor allem aufgrund der für die Partnersuche bzw.- entledigung an der Bar konzipierten SMS-Bildschirme:

Hinweis: Ich bin nicht Benny und die Reisebegleitung hat auch nicht die Gelegenheit genutzt, die Paßform des Reproduktionsorgans eines AJs näher zu beschreiben, auch wenn ich das für die Zukunft nicht definitiv ausschließen würde.



Ja, ,meine zauberhafte Reisebegleitung ließ es sich nicht nehmen, mich ganz so, wie es die 18jährigen heute tun, zu bespaßen. Ich schätze dies sehr, appelliert es doch an meine Angst vor dem Alter, der ich mit einem geheimem Fonds für eine Botoxflatrate souverän zu begegnen gedenke.
Die Feierei war eine gute Voraussetzung für die Prime Ministers Questions, die am nächsten Morgen anstand: Aufgedunsen, konfus und restalkoholisiert machte uns weder die kürzeste, aber gründlichste Sicherheitskontrolle aller Zeiten (ICH hätte mich mit diesem Foto auf meinem provisorischen Besucherausweis nicht reingelassen...es hatte etwas sehr Vampirhaftes), noch der Fakt etwas aus, dass wir gefühlte 20 Minuten auf einer Wendeltreppe irgendwo in den Untiefen Westminsters zusammen mit nerdy wirkenden Politikpraktikanten harren mussten bevor wir auf der public gallery hinter kugelsicheren Glas endlich James Gordon Brown dabei zusehen durften, wie er die Forderungen diverser Parlamentsangehöriger z.B. nach mehr Geld für die britische Post relativ charmant abschmetterte. Dabei trug er einen Stapel loser Blätter mit Post-Its in allen Farben des Regenbogens sowie beschriftete Hände zur Schau, seine Notizen waren, wie sich beim näheren Hinsehen entpuppte, in der riesigen Krakelschrift eines Mannes geschrieben, dessen 50%ige Sehbehinderung ihm offenbar eine Leidenschaft für Filzstifte als Schreibinstrumente eingehandelt hatte. Ich fand und finde dies sehr sympathisch, muss ich doch stets meine mit Stift verschmierten Handseiten als Linkshänder-Problem begründen (schieben, nicht ziehen), wobei ich die Vermutung hinter der Stirn der Fragesteller, ich hätte einfach nur Spaß daran, mir mit Kugelschreiber die Hand zu bemalen, direkt sehen kann.
David Cameron war besser aussehend als vermutet, er trug kein Schwarz obwohl es die Hälfte der Zeit um seinen kürzlich verstorbenen Sohn ging und musste sich sein Wasser nicht selbst einschänken, das machte ein Büttel neben ihm. Außerdem werden die Fragen von 3 Personen in Perücken moderiert, wobei es sich leider nicht um ordentliche Elvis- oder Marilyn-Haarteile handelt sondern um deren unglamouröse Schwestern, die gepuderten Antik-Locken, die ich schon in "Ein Fisch namens Wanda" an Archie Leach bewunderte:


Es war hervorragend zu sehen, wie eine Frau mit einem losen Perückenteil auf dem Kopf eine Frage mit den Worten "Unfair question!" abwies. Noch hervorragender war es, dem ritualisierten Rufen zwischen Regierung und Opposition beizuwohnen. Es ist so, dass, wenn immer einer der Gegenseite sich äußert, die anderen mit einem zustimmenden Ja-Ja-Grunzen (Thema "Weltfrieden, Trauer, Terror ist schlecht") oder aber einem empörten Protest-Grunzen (Labour: "Mehr Staatsausgaben", Tories: "Sparen, sparen, sparen, sparen.") antworten. Das ist sehr theatralisch und insofern faszinierend, als dass man nicht genau ausmachen kann, WIE sie die Geräusche machen. Die Münder blieben nämlich, soweit ich das beurteilen konnte, geschlossen.
Ich vermute, es handelt sich um ein rein britisches Phänomen, um eine Fähigkeit, die ihnen in die Wiege gelegt wurde. Dies sowie die Vorliebe für Schabernack in der Straßenbeschilderung lassen mich stetig mehr in Liebe mit ihnen sein.

Montag, 9. März 2009

Britain or bust

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz:
Der für morgen anstehende Kurzurlaub im Land des frittierten Frühstücks wird
a) nicht stattfinden, weil ich die Bahn und damit den Flieger verpasse
b) stattfinden und mich völlig ruinieren
c) stattfinden aber mir meinem Tod durch das Butterflymesser eines gelangweilten, unterprivilegierten britischen Teenagers enden, der mich für seine Bewährungshelferin/Stiefmutter/Feindin hält, einzig, weil ich so blöd war, Augenkontakt aufzunehmen.
Ja, seitdem ich weiß, dass ich nach London reise, plagt mich die Angst, dort Opfer der seit wenigen Jahren erheblich in seiner Beliebtheit bei dem zustechenden Teil der Bevölkerung gestiegenen Funsport des Knife Crimes zu werden. Ein Kollege, der es sicherlich nur gut meinte, versuchte mir die Angst zu nehmen, indem er heute meinte: "Du bist doch eh zu alt um in einem Gangkampf erstochen zu werden.". Was er nicht weiß ist, dass das einzige, wovor ich mehr Angst habe, als erstochen zu werden, ist, alt zu werden. Diese Ängste ergänzen sich insofern ideal, als dass ich mich konsequenterweise erstechen lassen müsste um die Angst vor dem Alter zu...äh...besiegen.
Oder so ähnlich. Zumindest müsste ich diese dann nicht mehr haben. Und die andere auch nicht, weil ich ja dann tot wäre.
Da wir alle wissen, dass ich morbide Scherze mache *nervöses Lachen*, hier ein paar weitere Updates meines aufregenden Jetsetlebens, das seinesgleichen ansonsten nur in Gestalt von Gisela Muth, der Wiedergängerin Anke Engelkes´ Ricky-Parodie findet, wobei sie sich nicht nur faul auf dem Möbellackimperium ihres Ehemannes ausruht, sondern auch in Charity und Design macht:

Geschickt, wie sie den Paillettenanzug mit Tüllschärpe und silbernen Plastik-Plateau-Schuhen kombiniert. Keine Frage, dass ich in diesem Aufzug begraben werden möchte. Die Schärpe könnte die Gedärme zusammenhalten. Aber ich wollte ja die Messergeschichte vergessen. Also schön. Mein aufregendes Leben bestand in den letzten Wochen aus Theater(wer hätte ahnen können, dass die Staatsoper das Theater am Kurfürstendamm um Längen schlägt? Nicht nur, was die Fußflinkheit ihrer Besucher angeht, auch die Inszenierung wirkte so, als hätten alle Beteiligten gemerkt, dass das Jahr 1815 vorbei ist. Was ich für das Komödienstadl am Kudamm nicht behaupten kann.), Musik (Robyn im Postbahnhof, ein Vergnügen, wenn nur die Fans nicht wären, die es vorziehen, ein Konzert durch die Linse ihres Spaßtelefons zu sehen als einfach mal das zu genießen, wofür sie 20 Euro bezahlt hatten: Die verdammte Show LIVE zu sehen und wirklich zu SEHEN und nicht aufzuzeichnen), Yoga (Ja, nicht mal den Drehsitz krieg ich noch hin. Ich bin offiziell ein körperliches Wrack), Brotarbeit sowielächerlich oberflächlichen Vorbereitungen einer vierstündigen schriftlichen Prüfung über Fernsehtheorien, die ich in einer Beschreibung meiner Lieblingssendungen enden sehe. Und das ist in diesem Fall keine Erfolgsaussicht, es sei denn, der Prüfer steht so auf "Bauer sucht Frau" wie ich und gibt Boni dafür, dass man den "gemütlichen Rinderwirt" vom "Harzer Pfundskerl" unterscheiden kann. Ich bezweifle es.
But then again, maybe I won´t live to fail.
NOT.
Ich plane mindestens zu überleben bis ich mein 80% sicheres Ticket für die Question Time mit James Gordon Brown am Mittwoch eingelöst habe. Richtig, dass ist diese Sitzung im britischen House of Commons, wo der Regierungschef schamlos angepflaumt wird von seiner Opposition. Das muss ich sehen. Ich plane, selbst einige Fragen einzubringen, so z.B., was Gordon von Frank-Walter hält, ob er wirklich blind ist auf einem Auge (ich werde ihn mit einem Buch bewerfen wie einst Michael Bluth in Arrested Development, als er die falsche Blindheit der Staatsanwältin beweisen wollte, die ausgerechnet in diesem Moment wirklich nichts sah, da sie Parfüm in die Augen gekriegt hatte als Tobias Fünke, der große Analrapist, sich gegen ihren Baseballschläger selbstverteidigt hatte...Ja, ich habe mein Leben an den Fernseher verschenkt) und ob er denkt, er wird mal beliebter sein, wenn er nicht mehr regiert (siehe Jimmy Carter). Das sind alles sehr gute Fragen, die ich hoffentlich ohne unschöne Begegnung mit dem Sicherheitsdienst beantwortet kriege.
Falls ich es dann kann, werde ich hier darüber berichten, wie die Sache ausging.
Bis danhin: Konichiwa, bitches.

Sonntag, 1. März 2009

Jeden Tag ein Grund zu Feiern

Random story of the day: Mich träumte, Wolfgang Tiefensee würde mein Geburtstagsfest ausrichten. In meinem Traum war er circa 1,50 Meter groß und irgendwie so halb in mich verknallt, zumindest versicherte er mir mehrfach nachdrücklich, "diese eine Liegenschaft vom Bund" für meine Fete und mich sichern zu können. Die "Liegenschaft" bestand dann aus einer Gastwirtschaft, wie man sie gerne im ländlichen Ostdeutschland findet, d.h. sie wurde das letzte mal 1970 eingerichtet. Von blinden Furnierenthusiasten. Das Fest kam irgendwie auch nicht richtig in Gang, die weißbeschürzten Kellnerinnen, die massenhaft orangene Luftballons aufhingen, waren die enthusiastischsten Teilnehmer des Abends. Ich hoffe, dies ist kein Omen für das echte Fest, das ich dieses Jahr unter dem Motto "Eine betrunkene Sedgway-Fahrt in Affenmasken durch Berlins Regierungsviertel" steigen lassen möchte, wobei das Motto wörtlich zu nehmen ist.





Ich kann bei Interesse übrigens haarklein auseinanderklamüsern, welch glamouröse Detail meines aufregenden Lebens mein Unterbewusstsein zu jener Melange des Grauens animierte, bis hin zu den orangenen Luftballons. Das ist bedenklich, daher sofortiger Themenwechsel. Lektion der Woche: Facebook ist eine Oase der passiv-aggressiven Beschäftigungstherapie. So wurde ich kürzlich schnöde entfreundet nachdem ich gewagt hatte, der Selbstausbeutung eine Grenze zu setzen und eine Bitte um Pressetexte, die mit den Worten "Ich habe mir bereits ein paar Interviewfragen selbst gestellt." eingeleitet wurde, höflich abzulehnen, auch und vor allem weil es das Privileg nicht-bezahlter Arbeit ist, dass man im Gegensatz zu Erwerbsarbeit Egotritte (wie die sehr zutreffend in einem wundervollen Blogpost nebst Kommentaren beispielhaft geschilderten worst jobs ever) nicht in Kauf nehmen muss sondern mal probeweise aufrecht gehen kann. Soll heißen: Wenn ich schon den Luxus habe, mir angesichts Wir-arbeiten-hier-alle-auf-Freundschaftsbasis meinen Ausbeuter aussuchen zu dürfen und dabei nicht dumpfer Auftragserfüller bin (zumindest nicht in meinem Verständnis von kreativer Arbeit), dann tu ich das. Wenn das einer ohnehin eher losen echt-Bekanntschaft den virtuellen Todesklick gibt, bitteschön. Infantilität gibts eben nicht nur offline.
Ansonsten bin ich jetzt scheinfrei und das mit 1,0 in der letzten Hausarbeit meines (Erst?-)Studiums. Es fühlt sich seltsam nichtssagend an. Mit anderen Worten: Ich bin innerlich völlig tot. Das konnte ich auch gestern abend feststellen, als ich bei den mittels erfolgreich erramschten Restkarten für Faust in der Staatsoper statt ergriffen der Musik zu lauschen einzig die Ähnlichkeit Mephistos mit Mark Medlock bzw. Fausts mit Max Medina aus den Gilmore Girls bewunderte.




Immerhin: Meine Sitznachbarin berichtete danach, sie habe 3,5 Stunden versucht die "Knoblauchpupse" ihrer anderen Nachbarin zu ignorieren wobei sie noch "dankbar" für die Knoblauchnote gewesen sei. Wieder ein Grund, dankbar zu sein: Das Losglück, was meinen Platz blähungsunbehelligt lies.

Montag, 23. Februar 2009

lessons from south of the border

Was soll man sagen, wenn einem die Mitbewohnerin einen Link schickt mit dem Hinweis "TV-Tipp" zu einer Sendung namens "Bei Anruf schlank!"? Zum Glück bin ich vom ersten Yoga in 3 Wochen (und Ja, ich habe das spärliche Quentchen an Agilität, dass ich mir in 6 Monaten erarbeitet habe in dieser Zeit an den Pennymarkt und seine Qualitätsprodukte aus der Snackabteilung verloren- auch wenn es nichts brachte, vermisse ich es doch irgendwie, mit durchgedrückten Knien meine Füße umfassen zu können, wer weiß, ob ich mit dieser Fähigkeit in der heutigen Arbeitsmarktsituation nicht irgendwann einen Cirque du Soleil für Arme hätte eröffnen können...oder eher Obdachlose) noch so geschafft, dass ich mir die Kraft zur emotionalen Aufruhr fehlt. Letztlich meinte sie es ja auch nur gut und hat ihre Leidenschaft für Reportagen über Baupfusch, Abspeckfarmen und schieflaufende Auswanderungen (in dieser Reihenfolge) mir näher bringen wollen. Und ja, es ist lustig, wie die Kinder in dieser Sendung dazu gebracht werden sollen, mittels Handyfotos von allen Dingen, die sie am Tag essen, Kontrolle über ihr Gewicht zu erhalten. Wessen Herz erwärmte sich nicht beim Gedanken an die mit Sicherheit involvierten Alibimöhren und traurigen rohen Broccoliröschen, die nun von adipösen Adoleszenten in den Untiefen ihrer Baggy-Hosen verstaut werden um die übliche Tagesdosis an 4 Bigmacs (normal halt) zu vertuschen?
Letztlich ist es wohl der Zeitmangel für mein schönstes Hobby (= creepy loning) in den letzten Wochen, der mich so unemotional dieses hervorragende neue TV-Format betreffend sein lässt. Mein erster innerdeutsches Flug, noch dazu ins mir früher unangenehm durch Schnarchigkeit aufgefallene München, ein Familienfest mit dazugehörigen semi-peinlichen Ereignissen (= das Zusammentreffen alter und junger Menschen, die nur die Leidenschaft für Gebäck und ein paar Gene gemein haben, was allerdings schon ganz schön viel ist), die kafkaesken Vorbereitungen einer Prüfung, die ein Studium beendet, das mir wahrscheinlich einen schönen Platz in der Liga der arbeitslosen Akademiker einbringen wird, all dies überforderte mich leicht. Was ja an und für sich nichts schlechtes ist, zumindest besser als Langeweile. Immerhin lehrten mich diese Wochen und der Kongressbesuch in MUC folgendes:
1. Auch Professoren sagen dumme Dinge. Beispiel A: Der Prof mit nervösem Tick, der mich erst beim obligatorischen Buffettabasseln (Akademiker sind da nicht besser als sonstige Kongressteilnehmer...noch nie habe ich so konzentriert und lieblos Antipasti verschwinden sehen) anquatschte, dann stehenließ, als er merkte, dass ich weder seiner Karriere noch ihm persönlich dienlich sein kann und werde (man nennt das auch networken), und am nächsten Tag das Standardwerk "The Medium is the Massage (sic)" erwähnte. Ich weiß nicht, was peinlicher war: Sein Schnitzer oder die Tatsache, dass er mehrfach korrigiert wurde. Auf der Bühne.
Beispiel B: Verfasser eines "Standardwerks" über Ideengeschichte der Politik der Weimarer Republik (ich wusste nicht, dass es so etwas überhaupt gibt), der sich nach der Vorstellung einer Theorie, die den Habermasschen Gedanken des herrschaftsfreien Diskurs auf das Internet überträgt, meint: "Ihren Ansatz halte ich für fragwürdig...als Habermas das geschrieben hat, gab es noch gar kein Internet." Genau. Und es ist in keinster Weise fragwürdig, auf der einen Seite die Verquickung von Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaft anzuprangern und auf der anderen Seite im Namen einer PR-Agentur über Zivilcourage zu salbadern. Ich wusste, was das für ein Typ ist, als ich sah, wie er den Räucherlachs inhalierte.
2. München ist, wenn man jetzt mal nur Schwabing betrachtet und dabei den Friseur ignoriert, der am Schaufenster "Behandlung unter Vorbehalt" stehen hat (die 1860er Spieler samt Ladies möchten unter sich bleiben wenn sie sich Asi-Skunk-Frisuren machen lassen, die mal vor 4 Jahren modern waren), durchaus...äh...annehmbar. Ja, ich gebe es zu: Der Anblick der kleinen eingeschneiten Häuschen hat mich weich gemacht. Ich kann nicht glauben, dass sogar der Schnee leichter, sanfter und (gefühlt, ja doch) ruhiger fällt als in Berlin, das vergleichsweise sibirisch daherkommt. Andererseits gibt es in Berlin, ganz Russland untypisch, eine pluralistische Presselandschaft, während ich in München angeschaut wurde als trüge ich einen Sprengstoffgürtel als ich nach der taz fragte, in einem Zeitungsladen wohlgemerkt. Unter den 3 Publikationen, die nicht in Bayern produziert werden, war die Berliner Zeitung, die ich, wohlwissend, die erste Person in der Geschichte dieses Ladens mit diesem absurden Kaufwunsch zu sein, sofort zur Kasse trug. Dort ergab sich dann ein Dialog aus der Reihe "Weißblaue Geschichten" mit der Verkäuferin, die nicht glauben konnte, dass es Zeitungen gibt, die weniger als 1 Euro kosten, auch *schock* auswärts. Die Zeitungsgroteske setzte sich auf der Konferenz fort, auf der ich die taz im Besitz einer Mitteilnehmerin entdeckte. Was folgte, gab mir das Gefühl, Teil einer konspirativen Bande zu sein:
Ich: "Wo hast du denn die taz her? Ich hab heute morgen keine gesehen im Laden."
Sie: "Ich hab die *Stimme senkt sich* ...abonniert."
Ich: "Ach so."
Sie: "Ja, ich les die nämlich voll gern."
Ich: "Aha. Ich auch."
Sie: "Also, die gibts hier, soweit ich weiß, nur in EINEM Laden...am Sendlinger Tor...unten, wo´s zur U-Bahn geht."
Als sie begann, mir eine Skizze anzufertigen, drehte ich mich um und verließ den Raum. Der Boden war mir zu heiß geworden.
Was lernen wir daraus: Die taz ist in Bayern Bückware, ihr Besitz wahrscheinlich strafbar, wobei die Haft in der langsamsten (und teuersten) S-Bahn der Welt, richtig, der 60 Minuten Express zum Flughafen beim Hören eines Edmund Stoiber Medleys verbüßt werden muss.
3. Die Pinakothek der Moderne sollte verpflichtend von allen Menschen der Welt besucht werden, objektiv, wie es meine Art ist, würde ich es mal als das beste Museum der Welt bezeichnen. Wobei die Mitarbeiter irgendwie ABM-ig wirkten und sich neben Franz Marc über ihre Online-Dating-Eskapaden austauschten. Das war weniger schön.
4. Das Einzige, was die Österreicher mehr hassen als die Deutschen, sind wahrscheinlich die Bayern (ich merke, wie ich ins Franz-Josef-Wagnerhafte abgleite im Wahnwitz meiner Behauptungen). Die Bayern rächen sich mit einer Vergewaltigung des Wiener Caféhauses, was sie in einen Billardsalon mit Emporen aus Glasbausteinen, riesigen Tellergerichten und recht missmutigen Kellnerinnen verwandeln. Nicht völlig unsympathisch.
5. Es gibt massenhaft kleine Geschäfte in München. Herr Martenstein hat einfach nicht richtig hingeguckt.
6. Und Berlin ist trotzdem Sieger. Alleine, weil der Döner unter 3,50 kostet und nicht standardmäßig aus Putenfleisch besteht (wer kommt auf solche Ideen? Das einzige, was schlimmer ist, war der Fischdöner, der einst aus Exotikgründen im Grillhaus Oktagon an der Warschauer Brücke feilgeboten wurde und der hat, im Gegensatz zu den Kinderexemplaren in Bavaria, wenigstens gesättigt, zumindest solange man ihn bei sich behalten konnte), Menschen nach 0 Uhr auf den Straßen sind und nichts dabei finden, dass dies so ist (im Gegenteil, sie fragen Fremde gelassen "Und? Allet in Ordnung bei dir?" um das nächtliche Aneinandervorbeilaufen entsprechend zu würdigen) und allgemein auch Leute nicht im sozialen Wohnungsbau landen, die nicht gerade BWL, Medizin oder Jura studiert haben. Die Mischung machts nämlich. Und das mit den Übergriffen auf Busfahrer und/oder Schwule und Lesben wird auch nochmal anders. Hoffentlich.

Sonntag, 8. Februar 2009

24 Zeilen Hass

Auch wenn die Feststellung die Originalität der In-Flugzeugen-wird-immer-Tomatensaft-bestellt Bemerkung hat: Handyfreisprechanlagen bzw. Menschen, die in Kabel sprechen, während sie Bahn fahren, Essen, aus dem Fenster gucken und andere Dinge machen, die man auch unkommunizierend sehr gut machen könnte, nerven immens. Ich kann nicht glauben, dass ich heute insgesamt 3 mal neben jemanden sitzen musste, von dem ich anfangs dachte, er habe Tourette und/oder unterhielte sich mit seinen multiplen Persönlichkeiten, nur um dann festzustellen, dass ein winziges am Mund baumelndes Kabel Grund genug war, den gesamten Wagen teilhaben zu lassen an der restlichen Reise- und Lebensplanung. Es ist rücksichtslos und es ist unnötig. Es sind auch nicht die Mover und Shaker, die sowas tun, die fahren nämlich nicht ÖPNV sondern werden gefahren und brauchen ihre Hände für das Fummeln am Blackberry oder in Unterlagen, die ihnen weitere 45 Jahre marktbeherrschende Stellung sichern. Es sind die Prolls und Nervkühe, die ihre handyvertragsbedingte Überschuldung mit endlosen Sinnlostelefonaten (man hat ja FLATrate) endlos kommunizieren müssen während sie den Mehrwert freier Hände ins Einwerfen frittierten Abfalls bzw. Körperpflege investieren.
Vor lauter Wut habe ich jetzt mein hervorragendes Paprikahühnchen lieblos runtergeschlungen. Wenigstens hab ich mit diesem Anblick nur mich selbst belästigt.

Sonntag, 1. Februar 2009

Kilian Kerner Klan

Eine Erkenntnis, die meinen nicht vorhandenen Lebensplan wenig umwirft aber dennoch mal festhaltenswert ist: Ich kann nicht Journalist werden, wenn das bedeutet, dass man Anziehsachen, Schminke und Wer-wo-hingegangen-ist-um-gelangweilt-rumzustehen ernster nimmt als sagen wir mal die korrekte Zubereitung eines Wiener Schnitzels (Kalbfleisch! Wiener Art= Schwein). Anlass dieser Feststellung war der Besuch einer Party im Zusammenhang der Berliner Fashion Week, die aus naheliegenden Gründen (Schnitzel > Anziehsachen) an mir vorbeigegangen war ohne mehr als ein obligatorisches Registrieren einer Nachricht à la "Menschen tragen Sachen und zeigen sie in einem Zelt vor einer Kirche, Skandal." im Berliner Fenster von mir zu fordern. Das Fest wurde organsiert von einem Magazin. Das Magazin beschäftigt sich mit Mode und Musik. Das Magazin hat das Selbstverständnis eines Stil-Kompass´für Menschen, die sich gerne im kleinen Kreis wähnen und sich individuell finden, wenn sie American Apparel Werbefiguren imitieren. Das Magazin ist im Grunde genommen ein Werbeheft: Es geht eine strategische PR-Partnerschaft mit einem Musik- und Kleiderlabel ein und man promotet einander. Das ist beileibe kein Teufelswerk, neben Reise- und Autojournalismus ist das, was unter dem Begriff "Lifestyle" gehandelt wird (also die Vermarktung von Fitnessaccessoires des Paarungsmarktes) am anfälligsten für die Aufgabe des journalistischen Trennungsgebots zwischen redaktionellen Teil und Werbung. Das Problem fängt erst da an, wo man so tut, als würde sich die Zeitschrift aus etwas anderem finanzieren als dem Designer und der Band, die man promotet und von dessen kreativer Leistung am Abend des Festes ungefähr 600 Leute (inlusive mir) parasitär profitieren. Die Leier, das journalistische Qualität über Unabhängigkeit gesichert wird, ist alt, naiv und wahrscheinlich längst überholt. Gleichzeitig ist die professionelle Selbsttäuschung, die in diesem Job derjenige an den Tag legen muss, der weiter denkt als bis zur nächsten open bar, mehr, als ich mir zumuten mag.
Jetzt aber genug Wort zum Sonntag.
Gut am Fest war, Christiane Rösinger in echt zu sehen. Schlecht war, sie nicht ansprechen zu können ohne wie das Äquivalent zum sabbernden Tokio Hotel Fan bei der Verleihung des Bravo Ottos für besondere Leistungen für die Frisur des Jahres zu wirken. Also aus der Ferne schmachten und telepathisch mitteilen, wie groß die Verehrung ist. Sie war auch ins Gespräch vertieft mit Robert Stadlober, der auch irgendwie in dieser PR-Kiste aus Band, Klamotte und Heftchen drinhängt. Nun bitte vorbereiten auf den Satz, der bei einer Prominentensichtung unweigerlich dazugehört: Er war viel kleiner als ich dachte. Ebenso Anna-Maria Mühe, die ungefähr 1, 45 m groß ist, was sie zum absoluten Objekt der Begierde der anwesenden Männer machte, die nur eins mehr mag als einen Body-Mass-Index im einstelligen Bereich: Zwergenhafte Ladies, die ihnen das Gefühl geben, das erste Mal seit den Tagen des Game Boys auf Klassenfahrt mal wieder auf was aufpassen zu dürfen.
Das ist nicht die neue Bitterkeit, wie Frau Rösinger sie einst besang, es ist die blanke Wahrheit.
Zum Schluss noch eine kleine Verbraucherinformation zu meinem Bekleidungsausstatter.

Donnerstag, 22. Januar 2009

drucken und ducken.

Ok, so here´s the deal (wie Kathy Griffin sagen würde): Ich ertrage es nicht "The biggest loser" zu (obwohl mir Kati Witt dort nicht halb so unerträglich quietschig vorkommt wie bei "Stars auf Eis" letztes Jahr) und dort eine Frau zu sehen mit einem Körper, der meinem nicht unähnlich ist, die dann gewogen wird. Es gibt einen Grund weshalb ich seit acht Jahren den Zahlen, die mein Leben auch dominieren, wenn ich sie nicht kenne, den Rücken zuwende. Es ist in meinen Augen keine TV-Unterhaltung, Menschen dabei zu filmen, wie sie um die Wette versuchen, einer Norm zu entsprechen, die wahllos gesetzt ist und letztlich darauf abzielt, ganze Industrien von Schönheits- und Fitnessindustrien am Leben zu erhalten, die suggerieren, dass das lebenswerte Leben das ist, welches sich kontrollieren und lenken lässt. Heidi Klum und ihre Nachwuchs-Stepford-Frauen sind für mich Realsatire. Aber in einer Zeit und für eine Generation, in der Gülcan das ist, was Heike Makatsch für mich war, muss ich mit dieser Meinung zwangsläufig die Position eines obskuren Überbleibsels einnehmen. Anachronist bin ich auch insofern ich erwarte, dass mir auf Mails geantwortet wird, z.B. wenn ich mich bei einem Dozenten zu einem Sprechstundentermin anmelden möchte. Antworten ist out, jedenfalls warte ich seit 5 Tagen. Die einzige Entschuldigung, die ich gelten lassen würde, wäre das Norovirus oder, gut, halt der Tod. Einzig wenn er verendet über seinem Laptop gefunden wird, das Gesicht zernagt von den Katzen, die er sich sicherlich hält (er ist der KATZENtyp, dieser Typ Mensch, der die geschmeidige Anbiederung dieser Tiere mit Empathie verwechselt und niemals die Freuden wahrhaftiger Hundetreue erleben wird), mit dem skeletierten Finger bzw. Cursor auf dem "Reply"-Button MEINER Mail werde ich verzeihen. So bleibt mir nur das analoge Latschen zum Büro des Missetäters, beherztes Klopfen und ebenso deutliches Nicht-Antworten. Der nächste Schritt wird sein, ihm vor/nach dem von ihm gegebenen Seminar aufzulauern...ich meine: zu befragen, wie es denn jetzt steht mit einem Beratungstermin. Ich lasse mir meinen schlechten Uniabschluss, der in Langzeitarbeitslosigkeit und Rezessionselend mündet, nicht von einem maulfaulen Antwortverweigerer zerstören!
Meine Unbill hat vielleicht auch damit zu tun, als dass ich an just dem Institut, an dem auch der Verweigerer residiert, heute eine Hausarbeit (und ja, es sollte, wenn alles gut läuft, die letzte Hausarbeit gewesen sein...nur 2 Jahre nachdem ich die Abgabe geplant hatte...thumbs up) abgab, die ich leichtsinnigerweise zuvor dort auch ausdrucken wollte. Zur Erklärung: Im Zuge des Uniliftings (=Abschaffung von Zeit zum Studieren, Lernen als Selbstzweck, Lebensfreude, etc.) haben die Unternehmensberater, die die akademischen Gegebenheiten inzwischen organisieren, Druckstationen einrichten lassen, auf denen man sich Dokumente aus dem Internet ausdrucken kann an der Uni, das Ganze funktioniert über eine Chipkarte. Das klingt erst mal ganz gut, wird aber dann zum Problem, wenn die "Druckstation" aus einem fadenscheinigen Touchpad, das noch dazu die Kontaktempfindlichkeit einer Waschbetonwand hat, sowie einem altertümlichen Drucker besteht, der KLEMMT. Genauer gesagt, dessen Papierfach klemmt. Das sollte kein Problem sein, wenn die pfiffigen BWL-Studenten, die die Alleinherrschaft über diese Druckstationen übernommen haben, nicht die grandiose Idee gehabt hätten, VORHÄNGESCHLÖSSER an verdammten Papierfächern anzubringen um ihre raffgierigen Pfoten auf das Papier zu halten, für das ich verdammt noch mal spätestens mit meinen exorbitanten Langzeitstudi-Semestergebühren bezahlt habe. Das Papier müsste schon aus Diamanten sein, so lange habe ich diese albernen Monopolisten finanziert, die mit ihrem Druckstationsstartup eine ganze Universität knechten. Aus mir spricht die Verbitterung einer Person, die 3 Minuten vor der deadline schwitzend an einem Vorhängeschloss hängt, 3 mal vergeblich versucht hat, auf die tote Frau an der Bibliotheksinfo einzureden ("Ich kann da mal anrufen, die sind eigentlich immer recht schnell...hier auf dem Drucker bei mir kann irgendwie nicht gedruckt werden. Sorry. *dös*") und dann auf den letzten Drücker doch noch ihre Drecksarbeit ausgespuckt kriegt, natürlich auf dem billigsten Druckerpapier ever made. Mein Gerenne zur Abgabe konnten die toten Augen von Dahlem nicht wirklich verfolgen, es war einfach zu schnell für jemanden, der beschlossen hat, seine Lebenszeit in Mikrogeschwindigkeit mit der Ablehnung von Bitten zu verbringen.
Großartig auch die Frage des Bibliothekszombies, warum ich das Dokument überhaupt im Haus ausdrucken wollen würde, es gäbe ja viele Copyshops in der Nähe und morgen sei auch noch ein Tag. Na sicher. Leider bin ich immer noch nicht schmerzfrei genug, das zu tun, was man in so einer Situation tun müsste: Völlig auszurasten und zu schreien "Weil es geht, du hirnverbrannte Kuh. Weil diese deadline ein spärlicher Ansatz von Selbstdisziplinierung ist, die ich verdammt nochmal brauche wenn ich dieses Kackinstitut jemals verlassen will. Weil ihr diese Miststation erst AUFGEBAUT habt um den Ausdruck am Institut zu ermöglichen!!!!!". Stattdessen murmelte ich was von Terminen, was so falsch nicht ist. Schließlich muss ich jeden Abend Dschungelcamp gucken. Da bin ich weniger empfindlich als bei Kati Witt, schließlich gehts da um Psychosen und die waren schon immer für bestes Entertainment gut: