Samstag, 23. April 2011

Altersvolontariat oder: High Tea in Berlin

Die Jovialität, mit der Heinz Hormann die Hand des dalmatischen Maitres schüttelt, reserviert er sonst für mallorquinische Hoteliers, deren 2 Sterne Etablissements er beflissen nach Staubmäusen auf dem Presspappe-Kleiderschrank absucht.

Wir befinden uns beim High Tea im Kempinski Bristol in der Fasanenstraße Ecke Kurfürstendamm, ein Ort, der mich anzieht seitdem ich weiß, dass die knorkeste unter den deutschen Trivialfernsehproduzentenlegenden Wolfgang Rademann seine in Plastiktüten mitgeführten Knoblauchvorräte am liebsten dort unterbringt wann immer er Geschäfte in Berlin zu tätigen hat. Worunter unter anderem einst, in einem Land vor meiner Zeit, das Casten der großartigen Heide Keller als Chefstewardess Beatrice für die beste aller Serien, die auf einem Kreuzfahrtschiff spielen, fiel. Wenn ich meine Klatschzeitschriftenkenntnis korrekt zusammenkriege, war das nach einer Vorstellung im Theater am Kurfürstendamm (wo ich einst eine ganz fürchterliche Sommernachtstraum-Inszenierung von Katharina Thalbach sah). Ein Auftritt in einem Curth Flatow „Tür auf, Tür zu“-Stück, schon war Heides Karriere als bestens ausgeleuchtete Freundlichkeitsraditatorin an den schönsten Stränden der Welt gebongt. Ganz klar, dass diese Geschichte in mir nachhallt, denn an-eine-Reling-gelehnt-Sätze-Aufsagen-und-dabei-fürs-ZDF-gefilmt-werden ist ein Job wie geschaffen für mich: Dem Kapitän die Familienverwicklungen der aktuellen Reisegruppe mitteilen, Romantikbedürftige einander zuführen, nebenbei den bei allen Winden und Wettern in Bermuda-Shorts auftauchenden Herzensbrecher von Schiffsarzt, der sämtliche Verrentungsregelzeiten ad absurdum führt, bedeutungsschwer anstarren? Das Ganze in Uniformen, die einem Entscheidungen innerhalb der Escada-Bestände der Garderobiere abnehmen und mit einem so soften Licht, das Kosten für unvermeidbare Nasolobialfaltenunterspritzung zunächst in das Anlegen eines ausgiebigen Sektkellers gesteckt werden können: I´m so in.


Ein schüchterner, betont routiniert-angelegter Blick in die Karte – darüber hinweg täuschen sollend, dass der heimwärts getrunkene Darjeeling gewöhnlich aus Lord Nelsons Beständen stammt – offenbart den Preis für ein simples Club Sandwich mit Fritten* mit 17,50 Euro als höher als die im Vorfeld von mir im Netz recherchierte High Tea Preislage von 16,00 Euro. Wir können das nicht glauben, erst recht nicht als wir erst den Tee kriegen und dann eine Etagère mit 3 Glasstockwerken purer Köstlichkeit: Sandwiches (Räucherlachs! Käse! Nicht aus Dosen.), hausgebackene Scones, Clotted Cream und Marmalate, dreierlei Kekse, Minitörtchen mit Früchten und hausgemachten Pralinen, alles von hervorragender Güte. Als Ostdeutsche sind meine Lieblingsgeschmacksrichtungen traditionell „viel“ und „preiswert“, im Laufe meines Fortkommens als Stoffwechsler habe ich mir mühsam das Bonuslevel „bitte nicht chemisch verarbeitet“ draufgeschafft. Ich kann mich meiner Begeisterung über das Dargebotene nicht erwehren und stecke mir beherzt den Kohlehydratbedarf einer Kleinfamilie ins Gesicht.

*die ich wahrscheinlich nicht Fritten sondern „Pommes Frittes“ oder „Kartoffelstäbchen“ nennen sollte um sie dem Etablissement ihrer Zubereitung anzupassen. Andererseits: Kartoffeln, in Stäbchen geschnitten, in heißes Öl geworfen, rausgeholt, gesalzen: Fritten.


Hinter uns belehrt ein Rheinländer mit heiserer Stimme seine Frau darüber, dass Helmut Schmidt der beste Kanzler aller Zeiten sei, weil er das mit der RAF in den Griff gekriegt habe. Außerdem gut sei Gerhard Schröder wegen der ganzen Wirtschaftskompromisse. Dabei isst er ein großes Stück Käsekuchen, sie kaut was Schokoladiges. „Wes Kuchen ich ess, des Schwachsinn ich anhör.“ denke ich mir, das ssie sich denkt. Und dann: Nach wievielen Jahren gibt man einfach auf?

Am Tisch hinter uns zwei Ladies, deren Haare sich das letzte Mal im Jahr des Queenbesuchs in Westberlin frei von Schaumfestiger bzw. 5 Kubikmeter Ellness Sprühnebel bewegt haben dürfen. Sie tragen identische Handtaschen in schwarzem Krokodilleder mit goldenen Schnallen. Auch die Frisurenfrage haben beide ähnlich gelöst: Ich würde es als „Bhegum“-Look bezeichnen. Ich verneige mich innerlich, als die größere von beiden nach 2 Stunden ihre stockgerade Sitzhaltung aufgibt um mit einer Eleganz, die manch halb so alte Frau nicht besitzt, auf Pfennigabsätzen an uns vorbei zurück in ihr Zimmer zu stöckeln. Davon abgesehen, dass sie scheinbar ausschließlich Kaffee zu sich nehmen und nur dort sind, um dem Kellner Geschichten über andere Gäste zu entlocken (die Gobelin-Halle scheint eine Art Schulhof der verrenteten Besserverdienenden und ihrer Testamentsnutznießerinnen zu sein), haben sie kein Business.

Heinz Hormann bestellt das zweite Bier, der Kamin wird angezündet und unsere Aufmerksamkeit wandert zum Duo aus älterer Dame im Rollstuhl und Begleiterin, die bereits da waren als wir kamen, in ihrer Ecke sitzend ohne etwas anderes zu tun als auf die Tür zu starren und sich ab und zu zischend anzugiften. Beide sind angetan in Variationen tiermotivbestickter Wollwaren. Alles eine Frage der Prioritäten, was das Ausgeben hart ererbten und erarbeiteten Vermögens angeht: Hotelzimmer mit Marmorfurnier und komplementärer 11 Euro-Sprudelflasche zur Begrüßung oder Oberbekleidung, die nicht aussieht wie aus den Restbeständen Ceauşescus Jugendweihegarderobe, das muss sich nunmal jeder selbst beantworten. Ihr heiß erwarteter Aufenthaltsgrund in der Gobelinhalle entpuppt sich irgendwann als Endvierziger mit Samthaargummi und Lederhose, der auftaucht und die beiden abholt, vielleicht zu einem kleinen Bummel zum Sanitätshaus.


Bevor auch wir verschwinden, bleibt Gelegenheit, die Wasserrechnung des Etablissmenents zu belasten. Auf dem Weg zu den Restrooms fällt der Blick auf Vitrinen in der Empfangshalle, voller Lycra mit lizensierten Aufdrücken der Namen von Menschen, die einst tatsächlich Mode entwarfen, heute eher auf dem Lohnzettel australischer Medienoligopolisten stehen und sich mit mageren britische Filmsternchen mit ausgeprägter Kinnpartie ablichten lassen. All die Sachen sehen Original aus wie Wochenangebote von Tchibo mit einem Hauch mehr Glitzer, ein Umstand, den ich nur deswegen erkenne, weil ich aus Recherchezwecken manchmal Wochenangebote von Tchibo heimlich durchs Schaufenster beobachte. Ich rechne aus, dass ich von dem Preis für eins der rentnerfarbenen Langarmshirts 20 Etageren köstlicher High Tea Spezereien verdrücken kann. Oder ein Wochenende sehr komfortabel an die Ostsee fahren kann. Ich weiß meine Frage nach Priorität zu beantworten, allein: Sie wird mir nicht gestellt. Mein Ausflug in die Dekadenz unter Berliner Bedingungen, die unter den Maßstäben anderer Städte Discounter-esk daherkommt, endet dort und dann, an einem der ersten warmen Nachmittage 2011 in Charlottenburg. Wir zahlen den High Tea, sogar mit Trinkgeld für den Dalmatiner und lassen ihn zurück zwischen Wandteppichen und einer neu angekommenen russischen Clique. Draußen denke ich, ich würd jetzt gern einen Kaffee trinken. Aber gefiltert, bitte.

Mittwoch, 9. März 2011

We can haz protest.

Ich war kürzlich demonstrieren. Das ist deswegen bemerkenswert, weil es neben "Löten" und "Kronkorken sammeln" zu von mir eher selten verfolgten Freizeit-Aktivitäten gehört. Die Scheu vor Massenaufzügen ist im Grunde genommen in meiner Biographie angelegt: So wurde meiner Mutter in den Wehen dringend dazu geraten sich "anzustrengen", damit ich nicht "marschieren muss" jedes Jahr. Dabei war die Hebamme nicht wahnsinnig, sie war nur pragmatisch und realistisch was die Örtlichkeit und Zeit meiner Geburt angeht, die Walpurgisnacht *irgendwann* in den 80ern in Ostdeutschland. Es war klar, sollte ich am 1. Mai zur Welt kommen, würde ich Jahr ums Jahr meinen Ehrentag mit der Errungenschaften der antifaschistischen Schutzwallerbauer teilen müssen, paradierende Sprengkörper hätten mit mir um Aufmerksamkeit um den schönsten Wimpel konkurriert, insgesamt hätte ich immer alten Männern zujubeln müssen bevor der Weg zu einer mit Dosenfrüchten aus dem "Exquisit" belegten Torte frei gewesen wäre.
Jetzt darf ich Torten mit Dosenfrüchten aus dem Aldi essen und das, ohne vorher auf den Thälmann-Platz zur Wimpelschwenkerei zu müssen. Danke, Helmut Kohl, Danke Mutter.

Freiwillig die Mühen des Aufstehens, Losgehens, Rumstehens, Gesehen werdens mit Menschen, die wahrscheinlich das eigene Anliegen teilen aber in Kleidung, Haarpracht, Schuhwerk und der Durchtdachtheit zu äußernder Parolen *bevor* sie den Kopf akustisch hörbar verlassen eventuell gänzlich andere Geschmackspositionen verteten: Dazu braucht es dann bei mir schon Motivation. Bezeichnederweise stammt diese in meiner gesamten Demonstrationsgeschichte in Empörung über Ungerechtigkeiten in der akademischen Welt. Dazu zähle ich zum Einen den Protest gegen Studiengebühren in Berlin 2004. Und es war die Demonstration gegen die Unwürdigkeit der Vertretung eines Bundesministeramts durch jemanden, der seine Doktorarbeit in großen Teilen abgeschrieben und sie als sein eigenes Werk ausgegeben hat.

Ich weiß nicht, warum ausgerechnet diese Themen bei mir für ein Protestpotenzial sorgen, dass sich einlöst ins Rausgehen und Gesicht zeigen. Als ich auf der Demonstration einen Freund treffe, der für eine Berliner Tageszeitung berichtet, entblöde ich mich nicht zu sagen (und werde damit auch noch zitiert), dass ein Krieg in Afghanistan mich nicht zum Protestieren bringt, sehr wohl aber diese Dissertationslüge. "Wozu habe ich denn die letzten 6 Monate an meiner Magisterarbeit gesessen? Geflucht, wenn draußen die Sonne schien, alle rausgingen und ich es nicht konnte weil ich das mit meinem Pensum nicht vereinbaren konnte?"

Vom larmoyanten Ton des chronischen overachievers und der moralischen Fragwürdigkeit ihres ins-Verhältnis-zu-Kriegen-setzen mal abgesehen: Die Dissertationslüge regt mich deswegen so auf, weil sie an eine Grundfeste der Überzeugung rührt, die mir Lehrer, Eltern, Professoren jahrzehntelang offenbar erfolgreich einredeten: Jeder Erfolg muss erarbeitet werden. Abkürzungen sind Selbstbetrug. Unaufrichtigkeit im Kleinen wird Unaufrichtigkeit im Großen. Irgendwer muss anfangen, gerade zu laufen, sonst merken die anderen nicht, wie schief sie selbst sind.

Es ist himmelschreiend naiv, es ist sehr wahrscheinlich unrealistisch, es ist ein Mythos. Aber ich bin nicht bereit, vielleicht noch nicht bereit, ihn aufzugeben gegen die zynische Einsicht, dass Nepotismus und Bestechlichkeit noch jedes Weltenrad mehr gedreht haben als das akademische Ideal von intersubjektiv nachvollziehbarer, im Rahmen des Möglichen selbstständig und unabhängig erarbeiteter Erkenntnis.

Es sind hohe Erwartungen und die Grenze zur Selbstgerechtigkeit in der Äußerung dieser wird auf der Demo überschritten mit Plakaten, auf denen "Erst Gaddafi, dann Guttenberg!"steht. Dennoch sind die Eiferer in der Minderheit. Die Masse an Demonstranten ist zwar hart in der Sache, aber locker im Gestus und im Fall einer Bekannten, die ich treffe über die farbliche Koordination von Sonnenbrille und mitgebrachten Protestschuh ein Plädoyer für Stringenz und Konsequenz auch in modischer Hinsicht.

Bevor ich mich noch mehr als entpolirisierten, aber moralisch noch erregbaren Ossi mit Vorliebe für Dosenobst und Fashionkritikerin für Demonstrationen entlarvte: Da bin ich auf dieser Demo mit diesen ganzen linken Socken und nicht einer von ihnen erkennt mit mir Klaus Staeck. Liebe Facebook-Revoluzzer: Kennt eure Vorfahren! Kennt ihre crazy analogen *memes*.





Sonntag, 16. Januar 2011

Vom Zwitschern und Fliegen

„Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare.“ sagt Matthias Rust während er den Stift ansetzt um ein Spionage-Geständnis zu signieren, das ihn einige Jahre in eine sowjetische Gefängniszelle wandern lässt. Kurz zuvor ist er in walking distance des Roten Platzes gelandet, die Inszenierung des Stückes „Rust- Ein deutsches Messias“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg lässt keinen Zwiebelturm in der Pappkulisse aus, um das gewahr werden zu lassen. Studio Braun, Inszenatoren des biographischen Schabernacks mit Durchbrüchen der dritten Wand etwa dann, wenn Heinz Strunk sich dem Kampf um die Besetzung der Rustschen Mutter stellen muss, bringt mit diesem Satz des als Inbegriff der Linkischkeit inszenierten Rust über mir eine zugegebenermaßen der Sparfraktion angehörende Glühbirne der Eingebung zum Brennen und ich denke an Julian Assange.

Die Floskel über die Formulare öffnet für mich die Verbindungstür zwischen Professor Rusti und Assange, diesen blassen, schlanken, jungen Männern, geeint in Spezialistenwissen, darauf basierenden Sendungsbewusstsein und der Bereitschaft, im Dienste dessen gegen Gesetze zu verstoßen. Ein bißchen Weltfrieden hätten die beiden gerne: Alle Menschen werden Brüder: Geeint in Luftraum und Informationen, letzteres von Bruns im Zusammenhang der Beschreibung kollektiver Produktionsprozesse im Begriff des „holoptism“ zusammengefasst: Jeder kann alles sehen und ist deswegen informiert genug, rationale Entscheidungen zu treffen um seine Fähigkeiten maximal nutzbringend einsetzen zu können. Ob im Eigennutz oder dem des sozialen Ideals einer Gemeinschaft, das bleibt undiskutiert. Bruns scheint eher Idealist als Psychologe zu sein und vernachlässigt die Motive in seiner Beschreibung netzbasierter, teilnahmeoffener Gemeinschaftsproduktion.

Dabei ist die Frage nach der Deutung des Auftritts des Ungewöhnlichen keine Uninteressante: Ist es Eigennutz oder Altruismus, der die Auskenner eint, über die lebensläufige Parallele der Anschuldigungen sexuell übergriffiger Art hinaus? Ist es das alte, häßliche Gesicht der Selbstdarstellung oder unschuldig- ungeduldiger Innovationsgeist, der jenseits von Egopflege Gutes will (und deswegen unbestritten Schlechtes bewirken kann). Für mich ist diese Frage nach dem Motiv wichtiger als eine Analyse der tools der jeweiligen Weltveränderungsidee. Die heißt bei Rust Cessna, bei Assange heißt sie wikileaks und bleibt doch jeweils eben nur das Werkzeug einer Idee. Wobei genau diese das ist, was das Verändernde ist:

Wikileaks ist nicht die große Revolution. Die große Revolution ist eine Idee, ein „mind set“, das als „everybody leaks“ beschrieben werden könnte: Die Bereitschaft, jedes Erlebnis, jede Lebensminute mit der Welt, die einem wiederfährt, zu teilen; ihr in barer Münze zurückzuzahlen, was sie einem (oder einer) an zickigen Kaffeeverkäufern, grantigen Busfahrern, olfaktorisch abenteuerlichen Mitbevölkerern des öffentlichen Raums entgegen bringt. Das populärste Werkzeug dieses mind sets ist dafür momentan wohl Twitter.

Twitter, dieses Icholot, dieser Sender der Befindlichkeitsbekenntnisse seiner Nutzer, die sich willfährig in eine peep show begeben auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Die Motivationen dafür liegen, das mutmaße ich mal in gewohnter Altklugheit vor mich hin, wie bei so ziemlich jeder Aktivität körperlich Erwachsener wohl in ökonomischen und/oder sexuellen Begehrlichkeiten oder aber in der Schnittmenge aus beidem: Es geht um Selbstdarstellung, Seelenstriptease, Produktpräsentation, Markenpflege. Dabei ist die Kalkuliertheit dieser Zwecke unterschiedlich ausgeprägt. Das weltenschlechte dieser Behauptungen weiter relativierend kann auch der kommunikationspsychologische Funktionszusammenhang von Selbstoffenbarung in Abhängigkeit vom Beobachten des Verhaltens der Anderen angeführt werden: Je mehr die Anderen preis geben, umso eher sieht sich der Einzelne nicht nur in der Lage, sondern auch verpflichtet dies zu tun, „die Preisgabe privater Informationen“ gilt „quasi als Vermittler sozialer Interaktion“, dabei sind „wichtige Gratifikationen, die Nutzer von Web 2.0 Angeboten erwarten, eng mit self-disclosure verbunden.“. Anders ausgedrückt: Wer Aufmerksamkeit will, muss offen sein (Und Ja, das ist die digitale Version von: „Wer ficken will, muss freundlich sein.“). Oder das überzeugende Gefühl vermitteln, dies zu sein.

Das Gefährliche und das Verführerische an Twitter ist dabei auch, dass es dem Bedürfnis des „venting“, des Dampf-Ablassens, digitales Werkzeug ist: Ohne hohe technische Hürden kann mit einem Adressatenkreis vermeintlich Gleichgesinnter (denn hey: My Netzwerk ist your Netzwerk, wir müssen uns ähnlich sein, wir digitalen Auskenner, wir early adopter mit der Fähigkeit, profundes wie banales in Haiku-esk von 140 Zeichen zusammenzufassen) geteilt werden, was Wichtig erscheint. Und da der Aufwand, dies zu tun, gegen Null geht solange die digitale Nadel smartphone jederzeit gesetzt werden kann, ist es auch müßig, die Mischung aus Banalität und Profundheit, tiefer Privatheit und höflich formulierten Programmhinweisen des Ersten Deutschen Fernsehens in einer Timeline zu konstatieren: Diese Mischung und der Wunsch nach Aufmerksamkeit, geleitet vom Gefühl, diese über Kommunikation, Selbstoffenbarung, Lästerei und weiß der Geier was zu erringen, ist es, die Twittern ausmacht und die dazu führt, mal eher tief und mal flach zu schürfen, mal nur mitzulesen, mal reinzuquatschen, mal zu verlinken, zu kommentieren und zu meckern.

Diese Mischung, in der Uses und Gratifications-Forschung als Gefühl der „Selbstwirksamkeit“ nachgewiesenen Mediennutzungsanreiz computervermittelter Kommunikation, ist es, die das Icholot befeuert. Dies wird maßgeblich gestützt vom Eindruck oder der imaginierten Möglichkeit im Netzwerk das eigene Signal abgleichen zu können mit einem oder mehreren anderen Nutzern. Der Reiz, öffentlich zu kommunizieren, was nur privat verstanden werden kann, ein Theaterstück zu spielen vor einem Zuschauerraum, von dem man nicht weiß, wer drin sitzt, wer zuschaut, wer lieber das Auto umparken geht und wer sowieso seit 2 Stunden im Foyer beim dringenden Telefonat mit dem Büro feststeckt, sorgt dafür, dass sich Menschen digitale Masken aufsetzen, enfant terrible-eskes schreiben, während sie mit Wollsocken im verschlissenen Pyjama auf der Couch sitzen, gänzlich unfatal rechterhands den Leonard Cohen Soundtrack ihrer Wunschidentität in der mobilen Youtube-Suche zusammenklauben während die linke Hand zu Erdnussflips und dem Digitalreceiver sowie der Aufzeichnung der neuesten Folge „In aller Freundschaft“ greift.

Beachtenswert: Kein twitter auf dem anwesenden Bildschirm.

Die Möglichkeit einer digitalen Maskerade, die verhüllt, wozu es analog nicht reicht, verführt zu Verbal-Dhiarroe und mehr noch: Sie reizt zu einem Verhalten, das Menschen mit küchentischpsychologischen Halbwissen wie ich als „passiv agressiv“ bezeichnen würden. Lieber gesenkten Hauptes die digitale Zunge spitzen als den Mut zu haben, reale Meriten (und reale blaue Flecken) zu riskieren mit einem herzhaft laut ausgesprochenen „Arschloch“ beim morgendlichen Rempler in der vollgestopften U-Bahn oder anderen Ärgernissen. Lieber in Anonymität in Ruhe Hass absondern gegen den Chef als den unbequemen Unbill von Kündigung und folgender Ungewissheit auf sich nehmen. Lieber Beschwerden über die Orgasmusgeräusche der Nachbarn verbreiten als darüber nachzudenken, wie traurig es ist, dass man selbst nicht Verursacher dieser Geräusche ist und so gänzlich mit Analogen Amouren beschäftigt, dass Dezenz und Snarkiness verschwinden.

Die Ironie der Tatsache, dass ich all dies semi-anonym blogge, bleibt mir übrigens nicht verborgen. Andererseits ist Konsequenz nichts, wofür ich hier bezahlt werde, da nichts hier irgendwas ist, wofür ich bezahlt werde. Insofern gönne ich mir das, als Junkie die Wirkungsweise der Nadel zu beklagen.

Womit ich mit anderen Worten sagen möchte: In diesem Abrechnungstext zu digitaler Maskerade hat sich auch ein Quentchen Selbstkritik versteckt. Immerhin: Ich habe letztens, als die schreckliche Nachbarin die ihr eigene Mischung aus Christina Aguilera und Damien Rice in Stadionlautstärke laufen ließ, einfach mal geklingelt und sie analog darum gebeten, dies zu unterlassen. Und es hat geklappt! Der reale Mist hat aufgehört. Mit der Folge, ihn digital nicht mehr dokumentieren und im Icholot mit der Hoffnung auf Anschluss unter dieser Nummer verlautbaren zu können. Die entscheidende Frage ist, ob das immer der Preis ist, den wir bereit sind zu zahlen.


Sonntag, 21. November 2010

I went to the VDZ Zeitschriftentage and all you´ll get is this lousy blog post.

Es erinnert mich an den Moment beim Jahrestreffen des Netzwerk Recherche im vergangenen Juni, als Georg Mascolo trotz 2 geöffneter Knöpfe am makellos weißen Hemd die Halsschlagader gegen die ägyptische Baumwolle schwillt als Markus Beckedahl die Todsünde begeht, auf dem unvermeidlichen Panel zur Zukunft des Journalismus zuzugeben, nicht nur kein Print-Abo zu besitzen sondern auch noch Ad-Blocker einzusetzen um sich beim Medienkonsum online den Elend des Anblicks dessen, was Großkonzerne z.B. unter "authentischen Botschaften" (siehe neue Kampagne einer großen Münchner Versicherung- echte Menschen mit echten gebrochenen Beinen sagen "Danke" dafür, dass eine Versicherung ihren Job macht, womit sie das Äquivalent zu Flugzeuglandeklatschern darstellen) im Dienste der Konsumförderung verstehen, zu vermeiden: Empörung über den Angriff auf sein altes Geschäftsmodell prägt den ersten Auftritt Hubert Burdas bei den diesjährigen Zeitschriftentagen des VDZ, Wut gegenüber google, die in dem Satz gipfelt: "Ich lasse mich von einer Suchmaschine nicht in die Ecke drängen.", ausgesprochen während er den Ausdruck einer Grafik, die scheinbar alle Konkurrenzszenarien googles gegenüber Verlagen verkörpert, in der Hand hält: So genau kann man das nicht sagen, weil Hubert sich nun mal in Bekenntnis zum Holz gegen digitale Illustration seiner Thesen entschieden hat und stattdessen die ohnehin überfordert wirkende Hoteltechnik vom Maritim in der Stauffenbergstraße zwingt, per Kamera auf das Blatt in seiner Hand zu zoomen, was für Top-Übertragungsqualität auf der Leinwand sorgt: Man sieht einen Siegelring, der ein Papierchen mit sowas wie Bauklötzen drauf hält.

Der trotzige Widerspruch erinnert mich an Loriots "Ich lasse mir von einem Fernseher nicht vorschreiben, wie ich meinen Abend zu verbringen habe."- Sketch: Die Behauptung des Gegenteils der Realität um diese Verschwinden zu machen. Realität ist: Das Netz hat gewonnen. Google wird nicht weggehen oder Aufhören, in Aggregation und smarten Dienstleistungen das zu bieten, was Nutzer brauchen um sich im Netz zu bewegen, das als technische Umgebung eine gänzlich neue Weltordnung darstellt für Verlage als Angebotsakteure und ihr Geschäftsmodell, Aufmerksamkeit zu erringen und in Werbeerlöse oder Direktverkäufe zu wandeln: Eine Umgebung, in der sie als ein Anbieter und Medienkonsum als eine Anwendungsform neben interpersonaler Kommunikation, p2p-Netzwerken, e-Commerce, gaming und dem Hochladen von Katzenfotos mit orthographisch fragwürdigen, aber witzigen Bildunterschriften stehen. Was die Print-Menschen (oder zumindest diejenigen, die ich in den 2 Veranstaltungstagen öffentlich sprechen höre) scheinbar nicht realisiert haben, ist die Tiefe der Revolution, in der sie sich befinden, dokumentiert in Daten der Mediennutzung wie sie diejenigen Studien erfassen, die nicht von der Printbranche selbst beauftragt worden. So lag laut ARD-Langzeitstudie Massenkommunikation 2010 die Tagesreichweite des Internets bei den 14-29jährigen 2009 bei 73,5 %, die der Tageszeitung bei 26,1% und die der Zeitschriften bei 6,8%. Das entspricht einer Steigerung um 50% für das Internet, einem Verlust von 10% bzw. 5% für Tageszeitungen bzw. Zeitschriften.

Noch deutlicher zeichnet sich das Bild des Mediennutzungswandels bei Betrachtung der Zahlen zur täglichen Mediennutzungsdauer ab, die, I´m afraid Hubert, den "Print is back"- Satz noch mehr ins Reich der Märchen bannen: So nahm die tägliche Nutzungsdauer von Zeitschriften (und seien wir großzügig, beziehen wir uns nicht nur auf Menschen bis 29 sondern nehmen wir alle Deutschen ab 14 Jahre als Datenbasis, also auch die Haptiker einer Generation Hubert, für die ein Leben ohne Druckerschwärze zum Frühstücksei dem Gang in die Apokalypse gleich kommt) von 2000 bis 2010 von 10 Minuten auf 6 Minuten ab, die des Internet hingegen von 13 Minuten auf 83 Minuten zu. Ich bin keine Volkswirtin, meine Haare sind nicht so glänzend und meine Slogans nicht so schmissig wie die der Menschen von Booz &Company, die dem VDZ, wahrscheinlich gegen sehr viel Geld eigene Studiendaten vorstellen durften, trotzdem glaube ich diese (dank des Geburtsfehlers des Netzes frei verfügbaren und trotzdem knorke-wissenschaftlich-validen Daten) prozentual korrekt übersetzen zu können mit: In dem Zeitraum, in dem das Internet seine tägliche Nutzungszeit um mehr als 500% steigerte, verlor die Zeitschrift 40%.

Das ist für einen Verband wie den VDZ mindestens deswegen wichtig, weil es heißt, er muss sich, will er zukunftsfähig im Sinne der Akquise und Bindung junger Nutzer sein, im Netz nicht nur aufstellen, er muss dort auch Wege finden, sein Kerngeschäft gegenzufinanzieren. Umso erstaunlicher der Ekel eines Michael Ringier während seiner key note über die Strategie der Online-Beteiligungen der Verlage am, sagen wir mal, "e-Commerce". Ringier mokiert sich über Hundefutter-Shops, unterschlägt dabei aber die Tatsache, dass beispielsweise die VZ-Netzwerke, nach IVW alleine 2010 stets in den Top2 der Online-Werbeträger, sehr wohl eine unter Aspekten veränderter Aufmerksamkeitsverteilung in neuer Medienwelt sinnvolle Ergänzung des Portfolios eines traditionellen Verlags wie Holtzbrinck darstellen. Und a propos social networks: Erstaunlich auch, dass auf einer Tagung deutscher Verleger niemand das Zuckerbergsche Imperium der sozialen Vernetzung erwähnt, allein deswegen wichtig, weil es 2010 mit bescheidenen 540 Millionen unique Users im google Ad Ranking die meistfrequentierte website weltweit ist. Das sind 540 Millionen unique users, die ihre Werbebotschaft nicht mehr bei Hubert abholen. Oder bei Bernd Buchholz, wobei mir dieser, auf Konkurrenz durch Facebook angesprochen, erklärt, es sei ja so, dass dieses Portal einzig der Imagepflege, der Prüfung von Profilen potentieller Partner und dem Austausch von Nachrichten zu diesem Zwecke dienen. Das mag ja stimmen: Allein, wenn junge Menschen eben nur noch jenes tun wollen im Netz, dann sollte jeder kluge Verleger sich dorthin begeben, wo dies stattfindet anstatt darauf zu bauen, mit Rohrkrepierern wie der bym-WG eigene Versuche des Abfangens veränderter Mediennutzung zu betreiben. Soziale Filter, Agieren auf Augenhöhe und eine auf Agilität und Präsenz dort, wo Nutzer sind, ausgerichtete Strategie: Nichts anderes meinte ich, als ich, nach 2 Tagen Kopfschütteln und Dampfkochtopftweets dem trotzigen "Die Bravo hat aber über 400.000 Abo"- tweet des Anzeigenleiters eines deutschen Wirtschaftsmagazins kraftlos ein "Facebook rult" entgegen setze.

Ob mich die Zeitschriftentage jemals wieder sehen, weiß ich nicht (sehe schon Ausdrucke mit "wanted" in Huberts Händen bei zukünftigen Panels, ist vielleicht nur geltungsbedürftiger Wunschtraum). Meine Auseinandersetzung mit Printmedien ist eine akademische. In 4 Wochen gebe ich meine Examensarbeit über Qualitätsjournalismus in Zeiten der Cholera, ich meine, des Internets, ab. Spaß hat es gemacht, als Elefant durch den Porzellanladen der Holzmenschen zu laufen, ihre Eistorte unter einem glitzernden Lüster zu verspeisen und sich erzählen zu lassen, alles bleibe, wie es ist. Spätestens beim Gang vor die Hoteltür und den Blick auf das Berlin davor wird klar, dass, dies zu glauben weniger verwerflich als allzumenschlich ist: Wer hätte in den 20ern vermutet, dass einst eine japanische Technikfirma eine Fujijama-Nachbildung auf den Potsdamer Platz baut? Und wer hätte 1985 Udo Lindenberg die Produktion eines Musicals prophezeit? Oder es sich gewünscht, for that matter? Talking ´bout a revolution sounds like a whisper. In diesem Sinne: Flüstern, poken, liken, twittern wir weiter. Holzkreuze säumen unseren Weg.

Sonntag, 14. November 2010

Aus dem Leben eines Pursers

"Und manchmal, wenn ich denke, ich muss ausflippen, dann stelle ich mich beim Einsteig vorne ans Bordtelefon, mit dem man die Durchsagen macht, halte mein iPhone an den Hörer und spiele das hier ab:



Die Passagiere finden´s super."

Mittwoch, 10. November 2010

Märchenstunde mit Elefant

Jemand hat mir mal erzählt, an Journalistenschulen lernt man als erstes, mit einem Vorurteil an die Welt zu gehen, dass man dann überprüfe. Der Vergleich zwischen Vorgefundenem und Vorher gedachten, das sei dann der Bericht, die Reportage, der Film. Ich war auf keiner Journalistenschule. Ich war auf einer Universtität. Dort lernt man, dass selbst ein Vorurteil von der Welt nicht ohne ein bißchen vorherige Aneignung derselben entsteht. Zum Beispiel, indem man forscht. Zum Beispiel indem man liest, was andere erforscht haben. Zum Beispiel, indem man sich Wissen über die Welt aneignet, so vorläufig und veränderlich dieses auch immer sein mag.
Wenn ich mir Friederike Schröters heute erschienenen ZEIT-Artikel zur aktuellen Feminismus-Debatte, u.a. ausgetragen zwischen Kristina Schröder und Alice Schwarzer, ansehe, ahne ich, auf welcher Schule sie war. Statt sich mit der Anstrengung zu belasten, ihrem Meinungsartikel auch nur den Hauch der Beschäftigung mit Forschung zum Thema „Gleichberechtigung von Frauen“ voran zu stellen, baut die Autorin fleißig weiter an der Legende der Überflüssigkeit einer Feminismusdebatte. Ihr Argument geht in etwa so: „Wer über Feminismus redet, schadet seiner Sache, weil er dann so tut, als sei er nötig.“ Die Logik dahinter ist: Wenn ihr nicht auf den rosa Elefanten im Raum zeigt, dann wird er euch nicht zertrampeln, Mädels. Diese Logik ist, mit Verlaub, ein schlechter Witz und Frauen, die sie perpetuieren sind nicht nur doof, sie füttern auch so ganz nebenbei das Vorurteil, schlecht in Mathe zu sein.
Der Elefant wird euch treten, ihr könnt ihn ruhig benennen, Frauen! Nehmen wir als zum Beispiel die PR-Branche, ein Berufsfeld, in dem Frauen in den
USA seit über 20 Jahren, in Deutschland seit knapp 15 Jahren die Mehrheit bilden. Dies tun sie aber seit genau der gleichen Zeit und bis zum heutigen Tage eben nicht gleichmäßig im gesamten Berufsfeld verteilt sondern vor allem in den jüngeren Altersgruppen, den schlechter bezahlten Jobs und den rangniedrigeren Posten, Daten umfangreich nachgewiesen in den Forschungsergebnissen Prof. Romy Fröhlichs. Das heißt: Sie kommen zwar ohne Probleme ins Berufsfeld - und für Freunde vorschneller Urteile, die wir der Einfachheit ab heute „Schröter“ nennen wollen, wäre das alleine Zeichen für das Erreichen einer Gleichberechtigung- sie kommen aber im Job nicht nach oben. Der überwältigende Frauenanteil in den Gruppen der Berufsanfänger um die 20 wandelt sich ab 35 in eine Minderheit. Grund für das Opting Out, das freiwillige Verschwinden aus dem Berufsfeld: Die Unvereinbarkeit von Beruf und Kind. Die Debatte über Gleichberechtigung muss eben doch öffentlich geführt werden, verehrte Frau Schröter, solange ein Staat darin versagt, flächendeckende Kinderbetreuung ab dem Kleinstkindalter bereitzustellen. Nur so herrscht echte Wahlfreiheit, nur so kann sich Frau den Luxus der von Ihnen statt öffentlicher Debatte herbeifantasierten „Auseinandersetzung um Kinderbetreuung in den Partnerschaften“ leisten. Die im Übrigen für Millionen Alleinerziehende eine Fata Morgana bleibt. Und selbst wenn sie stattfindet in Partnerschaften, mal so ins Blaue geraten, immer vorraussehbar verläuft, solange Frauen, wie sie so niedlich formulieren „noch lernen müssen, Gehaltsverhandlungen zu führen.“. Derjenige, der schlechter verdient, bleibt beim Kind. Da wären wir wieder bei Mathe. Und derjenige, der schlechter verdient, ist meistens nicht der Er sondern eine Sie: So beträgt nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarktforschung der durchschnittliche Bruttostundenlohn in Deutschland von Frauen satte 23% weniger als der der Männer, EU-weit sind es 17%. Spaßfakt am Rande: In der PR sind es, einer 2009 veröffentlichten Berufsfeldstudie von Günter Bentele zu Folge, um die 40% Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern. In einem feminisierten, also mehrheitlich von Frauen besetzten Berufsfeld schon eine Kunst, die Mehrheit der darin Tätigen fast um die Hälfte schlechter zu bezahlen als den Rest. Sind Sie eigentlich schonmal auf die Idee gekommen, Frau Schröter, dass nicht diejenigen, die bei gleicher Arbeit schlechter bezahlt werden, schuld daran sind, dass es ihnen so ergeht und daher in der Verantwortung sind, diese Ungerechtigkeit zu beehnden, sondern dass vielleicht diejenigen, sie sie bezahlen etwas damit zu tun haben könnten? Die Selbstverständlichkeit, mit der „Verhandlungsgeschick“ von Frauen gefordert wird und das Erlernen eines idiotischen Spiels der Selbstvermartktung und des Unterbeweisstellens des eigenen Wertes in Orientierung an der benchmark „Mann“ anstelle das Abschaffen des idiotischen Spiels selbst, ist entlarvend für die Schröters und die Schröders dieser Welt. Sie wollen den Elefanten lieber in der Schöner Wohnen-Farbe ihrer Zimmerwand tapezieren auf dass er verschwindet als ihn ein für alle Mal rauszuschmeißen. Wobei so ein Rausschmiß ja praktisch wäre: Endlich Zeit, als Wappentier von Journalistenschulen aufzutreten. Irgendwas sagt mir, dass sich Wolf Schneider liebend gerne darauf reitend durch Hamburg begeben würde. Wenn er dann an der ZEIT vorbeikommt, kann er Frau Schröter winken. Wenn diese nicht gerade beschäftigt ist, mit ihrem Partner die Aufgabe der Kinderbetreuung auszudiskutieren. Weil sie dafür ja Gottseidank keinen Staat mehr braucht.


Themenbild:


Samstag, 8. August 2009

Ich sag nur hello again

Ich bin immer noch nicht tot, ich ersticke nur ein bißchen. Immer noch unter einer Arbeit, die ich mir selbst aufgeschultert habe, in dem irrigen Glauben, damit halbwegs elegant dem akademischen Ghetto der Selbstvergessenheit in ebenerdigen Bibliotheken und Colloquien mit Teilnehmerinnen, die ernsthaft Paris Hilton mit Marilyn Monroe vergleichen, entrinnen zu können, zumindest zeitweise.
In anderen Neuigkeiten habe ich meine Ambitionen auf den Besuch des Bundespresseballs zu Gunsten dieser Veranstaltung aufgegeben:





Schon erstaunlich, wie schnell Friedbert Pflüger wieder einen neuen Job gekriegt hat.
Ich werde nun also lieber ihn mit einer Schrotflinte durchs Regierungsviertel jagen als Horst Köhler zum Rumba zu nötigen. In den Knast bringt mich beides, aber die Bigfoot-Jagd ist weitaus voraussetzungsärmer, und wenn wir ehrlich sind, ist es nicht das worauf es ankommt? Also, generell gesehen.