Du weißt, dass du einen Yogakurs bei Satan gebucht hast, wenn dein Lehrer die erste Stunde damit beginnt, 10 Minuten eindringlich die Teilnehmer anzustarren, sich dabei mutmaßlich ihre Namen einprägend für spätere Stalkingversuche. Darüber hinaus widersprach der erste an den Kurs gerichtete Satz auch allem, was ich bisher über das eher auf Gleichmut, Frieden und Balance ausgerichtete Selbsttäuschungsprogramm mit Bauchmuskeltraining, als dass ich Yoga bis jetzt kennen und lieben gelernt habe, erfahren habe:
"Es geht hier darum, dass ihr Verantwortung für euch selbst übernehmt."
Ach wirklich, du Clown? Alleine die ANWESENHEIT in einem Sportkurs zeigt ja wohl, dass man Verantwortung für sich selbst übernimmt.
Was er damit ausdrücken wollte war, man müsse wohl selbst einschätzen können, ob man die hanebüchenen Bewegunsabläufe, die er mit sadistischem Vergnügen am Scheitern seiner Opfer immer und immer wieder wiederholte und variierte, aus Gründen der Selbstachtung irgendwann abbrechen würde oder ob man aus Angst vor einem weiteren Starr-Wettbewerb lieber bis zur absoluten Erschöpfung 34x unwidersprochen zwischen auf dem Boden liegen, Liegestützen, dem "Berg" und im Stehen die Arme hochstrecken wechseln würde. Ich beließ es dabei, irgendwann bäuchlings mit Gesicht nach unten auf der Matte zu verweilen und damit die Verantwortung für meine geistige und körperliche Gesundheit zu übernehmen. Ich atmete lieber schweißdurchtränkten Gummi als dieser indisch-inspirierten Version eines Drill Instructors bei seinem Teufelswerk zu folgen. Großartig auch, wie er ausschließlich die Sanskrit-Bezeichnungen für die Positionen benutzte (also Bhujangasana statt Kobra, ja, das musste ich googlen), so dass man nicht mal ahnte, womit er einen jetzt behelligen wollte. Fun Fact: Der Typ sieht aus wie der semi-heiße Georg Mascolo, dessen Unterhemd unterm halbtransparenten Oberhemd mit noch immer sehr positiv in Erinnerung geblieben ist:
Ich trauere dem Hippie- Lehrer aus dem ersten Yogakurs hinterher, der mindestens genauso beweglich war wie Mascolos Höllenzwilling, dabei jedoch deutlich häufiger lächelte (das heißt, er lächelte überhaupt) und den Focus auf Entspannung, Balance und inneres Gleichgewicht legte. Denn darum geht es verdammt noch mal im Yoga! Und "Frieden, Frieden, Frieden." (Abschlussworte jeder guten Yogasession). Namaste.
Frage des Tages: Wird man potentiell weniger zum Arschloch wenn man sich fragt, ob man selbst das Problem ist oder die anderen?
Hervorragende Idee, um sich selbst von universitären Pflichten abzulenken, solche Selbstumkreisungen. Noch bessere Idee: Mein neuester Versuch einer Hausarbeit bei der Adorno-verliebten-Godmother-of-Geisteswissenschaft mit noch mehr abstrusen Belegen meiner vor dem Fernseher vergeudeten Jugend zu spicken. Ich arbeite an einer völlig subjektiven Typologie dessen, was ein Franzose und ein Italiener ohne Fernseher "Neofernsehen" nennen. Man kann es ihnen nicht verübeln: Letztlich hat Rai zum Aufstieg der dreisprachig stammelnden Michelle Hunziker beigetragen. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob sie es mit Marcel Reich-Ranicki halten bzw. er mit ihnen indem Kenntnis keine Vorraussetzung mehr für Kritik ist. Beim Bild von Casetti und Odin ist, dass sie einmal auf dem Weg in den philosophischen Lesekreis an einem Fernsehgeschäft vorbeigekommen sind und dort "Tutti Frutti" lief oder "Wetten, dass", Sendungen, die meinem geliebten Fernsehen einen schlechten Namen geben. Oder eben gerade nicht: Wer etwas über Quantenphysik lernen will, liest gleich ein Buch. Fernsehen ist Unterhaltung, es darf hirnverbrannt sein, gemein und oberflächlich. Warum sollte es besser sein als die Welt, die es umgibt? Warum muss Fernsehen Volksbildung sein? Woher nimmt sich alter Literaturkritiker, der mutmaßlich einen guten Teil seines Verdienstes eben dem von ihm verteufelten Fernsehen schuldet, das Recht, einen Preis und ein Medium in Bausch und Bogen niederzuquatschen und dessen Preisträger als unwürdig seiner Gesellschaft zu bezeichnen? Wenn "Deutschland sucht den Superstar" ausgezeichnet wird, dann nicht, weil Bohlen dort junge Menschen beleidigt, sondern weil dort an technischem Aufwand und Live-Risiko wöchentlich das gestemmt wird, was das ZDF einmal monatlich hinkriegt. Und wenn am gleichen Abend Sven Kuntze mit seiner hervorragenden Selbsteinweisungs-Reportage über Altenheime und Modelle des Wohnens im Alter mit einem Preis von der Bühne geht, dann steht es jemanden wie Reich-Ranicki, der das letzte Mal vor 10 Jahren irgendetwas relevantes in einem öffentlichen Diskurs beizutragen hatte, nicht an, das zu negieren. Predigt beendet. Bei aller Apologetik stimmt es mich schon etwas bedenklich, wenn ich mich nicht nur an das Schöneberger-Desaster "Girlscamp", sondern auch noch den Pinkel-Skandal von "Die Burg", das D-Promi-Linup von "Die Alm" sowie die wirklich sehr obskure Sendung "Fort Boyar" erinnere. Ich werde, ich will, ich muss daraus eine verachtete Hausarbeit stricken. Scheinfreiheit ist wichtiger als wissenschaftliches Standing, ist doch logisch. Das Berufsziel Professorin hab ich ha zum Glück schon mit 11 aufgegeben. Damals erfuhr ich, dass man in seinem Büro keinen Kabelanschluss hat. Zum Schluss Plevka für das schöne Leben:
Wenn man den Sonntag verkatert und ungeduscht mit der Dauerberieselung durch RTL 2 verbringt in einem Zimmer, das aussieht, als hätte die GSG 9 zum Frühstück reingeschaut, dann ist das entweder die Normalität urbaner twens, wie sie von US-Unterhaltungsserien propagiert wird oder es ist der erste Schritt in die Verwahrlosung, wobei ich mich in diesem Zusammenhang gerne daran erinnere, wie der Vater eines Freundes einst nach sorgenvollem Blick auf seinen Sohn meinte, dieser sähe "irgendwie verwahrlost" aus, man hatte sich zuvor einige Monate nicht gesehen. Diese charmante Lebensstil-und-Look-Evaluation fand bald Einzug in den Jargon der Menschen, neben denen ich damals stand und darauf wartete, dass die Hofpause vorbei war. Was hat mich bloß so ruiniert? Was generell nur schwierig und nicht ohne Rückgriff auf Kristallkugeln und eine Frau mit Buckel, schwarzer Katze und falschem slawischen Akzent zu beantworten ist, ist auf dieses Wochenende bezogen relativ leicht einzugrenzen auf einen Abend, der acht Uhr mit dem fantastischen "Scheinfranzosen" (Selbstbeschreibung) Jacques Palminger und seiner noch fantastischeren Veranstaltungsreihe "Songs for Joy" begann und halb sechs Uhr morgens mit der unaufgeforderten Aussage "Ick habe keine Spieße mehr" eines Würstchenverkäufers endete. Die Songs for Joy bestanden aus Texten enttäuschter bis optimistischer Mitbürger und trugen Titel wie "Ach, leck mich doch..." oder irgendetwas Französisches, was ich nicht verstanden habe, und wurden allesamt mit wundervollen Akkorden und Rhythmen versehen seitens der drei Abendverantwortlichen um Palminger, wobei mein Lieblingslied von diesem hervorragend tanzenden Herrn zum Besten gegeben wurde und bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich aus den Worten "Smick Smack" bestand. Die Ausnahmen waren die weisen Zeilen: "Es ist an der Zeit, dass die Menschheit versteht, dass Frösche keine Hosen brauchen." Über die Bedeutung dieser Worte zu sinnieren blieb wenig Zeit, wurde doch schon wenig später das ekstatische Publikum zu einer Spontandemonstration vor dem Haus der Kanzlerin aufgefordert. Offensichtlich hatte der Texter des letzten Songs Angela Merkel als Verursacherin seiner andauernde Arbeitslosigkeit und daraus resultierendem Hunger ausgemacht. Da sie nur zwei Straßen vom Veranstaltungsort entfernt wohnt, schien sich ein Protestmarsch zu ihrem Haus nebst Singen des Refrains "Komm mit, Stück für Stück!" mehr als aufzudrängen. Außerdem war es schwer, gesungenen Aufforderungen wie "Szenetypen lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Gruppe ein!" zu widerstehen. Einmal bei Angies Haus angekommen, stellte sich uns die Staatsmacht in ihrer ganzen Härte in den Weg: Zwei völlig Stoiker in Uniform schüttelten lapidar den Kopf, als sie gefragt wurden, ob "die denn nun da" sei. Als der zweite Polzeicorsa ankam, verließ der Protestmarsch die Szenerie. Uns war das Pflaster zu heiß geworden. Wir wären nicht der Stolz Ulrike Meinhoffs gewesen, Jacques und ich, wie wir nebeneinander singend friedlich zurück ins Theater marschierten. Nebenbei: Ist es faschistisch, wenn man sich am Gleichschritt erfreut? Der weitere Verlauf des Abends brachte den Besuch einer Lokalität, in denen ich erstmals auf einer Tanzfläche den Satz hörte "Muss man denn hier fünf Stunden auf Roland Kaiser warten oder was?". Ich war naturgemäß begeistert. Zum Schluss noch der Grund, warum ich Herrn Palminger ehelichen möchte:
Die vergangene Woche zeigt es: Ich bin die Vorhut des Mainstream. So wurde nur 48 Stunden nach meinem Besuch im kleinsten Kino des Universums alias Alf Spaeths Gesamtkunstwerk aus Wohnung, Barbieschlachthof und Treffpunkt lokaler Selbstdarsteller jenes in der großartigen internationalen Show von Kurt Krömer gefeatured.
Ich möchte betonen, dass ich keinen Durchfallsaft bekam sondern einen "Begrüßungscocktail" aus dem Gipspenis des Gipseisbärs, der bei meinem Besuch auf wundersame Art un Weise aus dem Kellerverlies durch die winzige Bodenluke ins Erdgeschoss bugsiert worden war.
Alf meinte, der Bär wäre von Bruno inspiriert. Ich sehe eher Knut, der Herrn Dörflein verspeist hat.
Alfs Kunst, die maßgeblich aus zerschnittenen Barbies und Kunstblut bestand. Ist doch schön wenn man sein inneres Kind so lebendig hält, wobei damit der frauenverachtende innere 14jährige Gothfan gemeint ist. Wer kennt ihn nicht.
Investigativ wie immer und mit nur leicht entglittenen Gesichtszügen betritt die Frauke Ludowigs Kreuzbergs Alfs Multifunktionsbude: Gipshintern links im Bild, Vorhang aus Filmrollen rechts. An den Wänden eine Tapete aus Fotos, gerne auch aus Alfs Oevre als Aktfotograf, sowie die immer wieder gleichen Lobpreisungen von Fotografierten und vermutlichen Exkollegen, zu denen auch die kunstbegeisterten Avantgardisten von "Marienhof" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" gehören, wobei Alf diese Tätigkeit mit dem sehr charmanten Fazit "Das waren nur schlechte Zeiten!" garnierte. Im Grunde genommen sieht Alfs Wohnung samt "Klaus Kinski Suite" (eine Küche mit Schlafnische, die er für 1,50 Euro an internationale Künstler vermietet) aus, als sei Amy Winehouses´Schädel im Crackrausch explodiert, also durchaus nicht unsympathisch, sieht man vom Kunstblut, den abgetrennten Plastikpenissen und einer Installation namens "Der goldene Schuss" ab, die einen unschönen Knall abgibt, wenn man sie passiert. Höhepunkt des Abends war unbestritten das Ende, als Alf uns verabschiedete, dabei irgendwie abwesend wirkend und sich dann diebisch daran erfreute, dass wir durch die von ihm angestellte künstliche (und eiskalten) Regenanlage über seiner Eingangstür laufen mussten. Nass, aber glücklich verließen wir die Szene. Meine gute Laune rührte dabei maßgeblich aus der neuen Bekanntschaft mit der countesse, einer New Yorker Sängerin, der ich schamlos meine Nummer aufgedrängt hatte, offiziell, um sie bei der Untervermietung ihrer Kreuzberger Wohnung zu unterstützen, in Wahrheit natürlich nur, um von ihren Coolnessfaktor parasitär abzugreifen. Unnötig zu sagen, dass dies scheitern musste, sie rief nie zurück.
Weiterer Beweis meines Charakters als Mainstream-Gift-für-den-Underground: Kaum kaufe ich auf dem Flohmarkt das lange ersehnte Hypercolor-Shirt, Traum meiner Kindheit, kündigt Americal Apparel an, dieses fantastische Farbänderungs-Textil im Winter neu aufzulegen.
Du weißt, dass du die perfekte Zahnärztin gefunden hast, wenn sie dir nicht nur eine perfekte Füllung verpasst und den Kinderbohrer nimmt, damit es nicht so schlimm wird, sondern dir am Ende der Behandlung noch eine gratis Information über alternative Krampfaderentfernungen mitgibt. Überhaupt ist die Frau meine persönliche Dr. Quinn nachdem sie mit einem Blick auf mein übernächtigtes Gesicht sagen konnte, dass ich es an der Schilddrüse habe. Ich glaube, es ist eher der Herbst mit seinem unausweichlichen Mitbringseln "Küchentrinken" bzw. "Balkontrinken". Außerdem kann ich es nicht an der Schilddrüse haben weil es doch schon die Mitbewohnerin dergestalt erwischt hat und zwei Fälle in einer Wohngemeinschaft, das wäre schon fast eine Akte-X-Folge. Vielleicht haben uns die polnischen Bauarbeiter Asbest in die Wände geklöppelt? Nicht, dass ich Ahnung hätte von der Schilddrüsenbeeinflussung durch Asbest aber ich könnte mir vorstellen, dass sowas vorkommt. Generell kann ich mir aber recht viel vorstellen, was diese These nicht viel glaubwürdiger macht als beispielsweise meine Annahme, dass Frank Walter Steinmeier mit seinem iPhone Miley Cyrus-eske Fotos von sich macht. Ansonsten werde ich in jüngster Zeit ständig auf meinen Kanaldurchquerungsplan angesprochen und was daraus geworden wäre. Dazu sage ich nur, dass ich größere Ziele verfolge. In Zeiten von Little Britain USA (also David Walliams an einer anderen Küste) muss ich wohl den Atlantik queren. Das sollte nicht viel schwieriger sein als die paar Meilen durch den Channel. Die Bankenkrise macht sich für mich übrigens dadurch bemerkbar, dass ich im Reichelt Markt am Alexanderplatz von einer adligen Kassiererin bedient wurde. Rausgewachsene Dauerwelle und nach der Deutschland- Card fragen: Soweit ist es gekommen mit dem edlen Geblüt. In 2 Stunden gehe ich mit Frau S. in einen Keller, in dem angeblich schon Iggy Pop verkehrte. Dort gibt es das laut Aussage seines Betreibers "kleinste Kino Berlins" mit nur 2 Plätzen. Ich gehe davon aus, dass der Mann sein Wohnzimmer meint. Und ehrlich gesagt, habe ich irgendwie die Befürchtung von Frau S. meist sehr jungen männlichen Begleitern für spießig gehalten zu werden wenn ich ein Problem habe mit den Knebelungsversuchen des falschen Kinobetreibers bzw. seinem Angebot, uns in seine eigenen Körperweltenausstellung zu integrieren. Dies könnte also der letzte Eintrag sein falls ich es aus dem Iggy Pop Gedächtniskeller des Kreuzberger Gunther von Hagens nicht mehr raus schaffe. Dementsprechend hier mein Vermächtnis, was nicht mein Vermächtnis ist, sondern das von Christiane Rösinger, die ja noch gar nicht tot ist und die ich gerne gewesen wäre wenn ich jetzt tot wäre. Anyway.
Also New York City. Vielleicht hätte mir der die Frau am Check-In in Tegel, die aussah wie Heath Ledger als Joker samt ins toxisch gehender Lippenstiftfarbe Warnung genug sein müssen als sie mich erst offen dafür verachtete, dass ich für eine "so leichte Tasche" angeblich Hilfe bräuchte beim Tragen (ich hatte es gewagt, einen nicht-Ticket-Besitzer in die Warteschlange mitzunehmen und das mit dem Getrage war meine Ausrede. Nicht so kreativ, aber immerhin). Außerdem fragte sie mich ungefähr 14mal, wer meine Tasche gepackt hätte, als warte sie darauf, dass ich mich irgendwann als die geheime Terroristin mit Flüssigsprengstoff enttarnen würde, einfach nur, weil ich es leid wäre, immer die gleiche Frage gestellt zu bekommen. Das war schon alles ziemlich schrecklich. Immerhin gab es im Flugzeug Eiscreme, das nahm ich als positives Zeichen. Um mich vom schrecklichsten Film aller Zeiten "Made of Honor" (Romantic Comedy mit Patrick Dempsey, noch viel schrecklicher als "Sweet Home Alabama" mit Patrick Dempsey) abzulenken, tat ich so, als würde mich das irgendwie einem Filmscript ähnelnde Bündel von losen Blättern, an dem mein Sitznachbar herumkritzelte interessieren. Wie sich herausstellte, war es ein Filmscript, allerdings zu einem Film, von dem ich erstens nicht glaube, dass er jemals gedreht wird und von dem ich zweitens die Zurechnunsfähigkeit seines Verfassers stark anzweifeln würde: "It´s a kind of fantasy story...it´s about a king that wants to reunite als races and countries in the world and for that he gets hunted." Mehr als einmal musste ich einen Lachanfall unterdrücken als ich Regieanweisungen las wie "is put under a spell" oder "explodes". Auch wenn ich es irgendwie ermutigend fand, dass mir Nick letztlich seine Telefonnummer gab (wobei das, glaube ich, letztlich so etwas wie eine Höflichkeitsfloskel ist in den USA und äquivalent zu einem Handshake), entschied ich mich dagegen ihn jemals anzurufen, was erstens mit seiner Samtjogginghose, zweitens mit seinem uralten IBook, drittens mit seinem offensichtlichen Wahnsinn und viertens mit seiner New Jersey- Vorwahl zu tun hatte, eine New York Lektion, die mir Seinfeld beigebracht hatte bzw. mein großes Vorbild Elaine Benes, der ich erst kürzlich wieder nacheiferte als ich mich auf einem Firmenfest zum Arschclown des Abends machte, einfach nur, weil es GING:
Gut, getanzt habe ich nicht. Es waren aber knicksen involviert, Stimmenimitation und das Streuen hanebüchener Gerüchte. Ich rechne täglich mit einer Kündigung. What else? New York wird überbewertet, zumindest was seine Zugehörigkeit zur zivilisierten Welt angeht. Nur soviel: Gegen JFK wirkt Tegel wie ein futuristisches Muster an Effizienz und Sauberkeit. Nennt mich Deutsch, aber ich finde es irgendwie deprimierend am größten Flughafen der größten Stadt der USA anzukommen, nur um in braun gestrichenen Wartehallen, von deren 40 centimetern hohen Decken es tropft und schimmelt auf mies-gelaunte Asiatisch-Amerikanische Beamte der Homelandsecurity zu warten, die wort- und grußlos meine Fingerabdrücke abnehmen nur um mir wahrscheinlich irgendwann ein Drogenvergehen anhängen zu können wenn ich mich despektierlich über ihr Verhalten oder die Idiotie ihrer Mitbürger äußere. Was ich hiermir tue. To put it mildly: Die Hellsten sind die Amerikaner nicht. Sie lassen ihre U-Bahnhöfe in einen Zustand, den ich mit dem Begriff "Vorhölle" bezeichnen möchte, und ich kann es auch irgendwie nicht als tröstlich betrachten, dass sie ÜBERHAUPT ein öffentliches Nahverkehrssystem haben. Das Ding ist, sie könnten es genausogut NICHT haben, betrachtet man die katastrophalen Zustände unter Tage. Mehr als einmal fühlte ich mich wie ein Fluchthelfer an der innerdeutschen Grenze, so dreckig, stickig heiß und voll von absurden Gerüchen waren diese Bahnhöfe, wobei das Fehlen sämtlicher Fahrpläne nur dadurch relativiert wird, als dass es nicht mal EINE VERDAMMTE UHR gibt auf einem dieser Wartehallen in die Verdammnis. Ich meine, was anderes als eine verdammte UHR braucht es in einem Bahnhof außer vielleicht noch den verdammten Zug? Ich war NICHT zufrieden. Das steigerte sich noch, als ich am letzten Tag meines Aufenthalts den Hotelconcierge, eine Mischung aus Robin Williams in One Hour Photo und irgendeinem Jim Carrey-Charakter fragte, wie er die Holiday-Fahrfrequenz der U-Bahn einschätze und er mir lapidar mitteilte "I don´t use the Subway. It´s DIRTY." So wurde mir meine Unfähigkeit, es den Locals gleichzutun und Strecken ab 2 Meter eher mit dem Taxi zu fahren als auch nur einen Schritt zu laufen oder die Bahn zu nehmen, als idiotische Schrulle ausgelegt. Abgesehen von der Idiotie einer Großteils ihrer Bewohner, der Verratztheit seiner Bahnhöfe, der Vorliebe für absolut sinnlosen Krach (es wird grundsätzlich per Freisprechanlage telefoniert, auch und vor allem während man seinem Job des Toilettenpapierwechselns in Loebs Boathouse im Central Park nachgeht, why not), der ständigen Schlechtgelauntheit und Bereitschaft zum Abzocken im Dienstleistungsbereich wars dann aber doch ganz schön. Beweise:
Es gibt mehrere Versionen der anstehenden Reise nach US von A: Erstens könnte ich bereits im Bus auf dem Weg zum Flughafen Tegel einer Busentführung zum Flughafen Schönefeld zum Opfer fallen, nicht ohne Gladbeck-eske Interviewintervention in Gestalt der rbb-Abendschau-Wunderwaffe Uli Zelle. Das wäre ein schönes Ende für mich, ich wäre dann sowas wie die Einweihung des Bahnhofs Südkreuz in puncto Berichterstattungswürdigkeit durch Uli Zelle. Zweitens könnte ich in der Sicherheitsverwahrung des Flughafens Tegel landen, zum Beispiel weil ich vergessen habe, meine 2,95 Tagescreme von Aldi aus dem Handgepäck zu nehmen. Daraufhin würden sich eine unangenehme u.a. rektal orientierte Drogensuche anschließen, man kennt das aus den einschlägigen Frauengefängnisfilmen. Ich hoffe, die Tagescreme kommt in diesem Zusammenhang nocheinmal zu neuen Ehren. Drittens könnte ich auf dem Rollfeld explodieren, zusammen mit dem maroden Flugzeug in das ich mich mit Mühe und Not gehetzt habe. Das wäre insofern traurig, als dass ich erstens tot wäre und zweitens nicht mehr zu identifizieren, das heißt, die Trauer- und Pilgerzüge samt Opfergaben an meinem Grab müssten stets am Rollfeld in Tegel stattfinden, was angesichts der Unübersichtlichkeit und Überlastung dieses Resopalmonsters von einem Flughafen recht unbequem wäre. Viertens könnte ich in den Atlantik stürzen, wobei dies nur geschehen würde um meine früheren Bestrebungen den englischen Kanal schwimmend zu durchqueren, ins Lächerliche zu ziehen. Dies würde damit sehr gut gelingen, ich würde innerhalb von 15 Minuten ins flüssige Grab gehen. Fünftens könnte ich in der Sicherheitsverwahrung von JFK landen, z.B. weil ich einen Monat Jungpionier war und insofern mit sechs Jahren strammer Kommunist. In einer Verkettung unglücklicher Umstände würde auf meine speziellen Fall die Todesstrafe angewandt und das erste Mal seit 45 Jahren im Staate New York auch vollzogen werden, da Barack Obama ein Exempel zur Demonstration seiner staatsmännischen Härte braucht. Es könnte aber auch alles gut gehen in dem Sinn, dass ich den Flug kriege, dieser nicht abstürzt, das New Yorker U-Bahn System mich nicht nach Long Island und/oder die Bronx entführt (und Ja, ich habe noch die achtziger-Jahre-Bronx-Paranoia, dafür habe ich zuwenig erlösende Nachrichten über das Ende der Gangkultur gelesen) und das gebuchte Hotel ein Zimmer für mich hat. Wenn das passiert, ist der Plan, mir von dieser sympathischen Stepford-Witwe einen alten US-Millionär zwecks Scheinehelichung an Land ziehen zu lassen. Gut, ihre "Klienten" (=Hochstapler mit 7 Jahre alten 3er BMWs, die auf Long Island leben und trotzdem behaupten reich zu sein, siehe knallhart investigative Kabel1- Reportage letzte Woche) sehen aus wie Schildkröten. Vielleicht könnte man sich ja auf Treffen in Dunkelrestraurants einigen und/oder ich nehme die Kontaktlinsen raus. Diese Details regeln die Anwälte, die den albernen Ehevertrag aufsetzen, der sich später als sittenwidrig erweisen wird, wobei ich mit "später" einen Zeitraum meine, der 2 Monate nicht überschreitet. Ich habe schließlich noch zu tun. Zum Schluss Lesebefehle für die Zeit meiner Abwesenheit: Ariel Leve will gestalkt werden, Tanya Gold verkauft experimentell ihr Hirn an Frauenmagazine und Sven Regener hat wie immer mit allem Recht. Nicht zuletzt weil er dies getextet hat.