Sonntag, 1. Februar 2009

Kilian Kerner Klan

Eine Erkenntnis, die meinen nicht vorhandenen Lebensplan wenig umwirft aber dennoch mal festhaltenswert ist: Ich kann nicht Journalist werden, wenn das bedeutet, dass man Anziehsachen, Schminke und Wer-wo-hingegangen-ist-um-gelangweilt-rumzustehen ernster nimmt als sagen wir mal die korrekte Zubereitung eines Wiener Schnitzels (Kalbfleisch! Wiener Art= Schwein). Anlass dieser Feststellung war der Besuch einer Party im Zusammenhang der Berliner Fashion Week, die aus naheliegenden Gründen (Schnitzel > Anziehsachen) an mir vorbeigegangen war ohne mehr als ein obligatorisches Registrieren einer Nachricht à la "Menschen tragen Sachen und zeigen sie in einem Zelt vor einer Kirche, Skandal." im Berliner Fenster von mir zu fordern. Das Fest wurde organsiert von einem Magazin. Das Magazin beschäftigt sich mit Mode und Musik. Das Magazin hat das Selbstverständnis eines Stil-Kompass´für Menschen, die sich gerne im kleinen Kreis wähnen und sich individuell finden, wenn sie American Apparel Werbefiguren imitieren. Das Magazin ist im Grunde genommen ein Werbeheft: Es geht eine strategische PR-Partnerschaft mit einem Musik- und Kleiderlabel ein und man promotet einander. Das ist beileibe kein Teufelswerk, neben Reise- und Autojournalismus ist das, was unter dem Begriff "Lifestyle" gehandelt wird (also die Vermarktung von Fitnessaccessoires des Paarungsmarktes) am anfälligsten für die Aufgabe des journalistischen Trennungsgebots zwischen redaktionellen Teil und Werbung. Das Problem fängt erst da an, wo man so tut, als würde sich die Zeitschrift aus etwas anderem finanzieren als dem Designer und der Band, die man promotet und von dessen kreativer Leistung am Abend des Festes ungefähr 600 Leute (inlusive mir) parasitär profitieren. Die Leier, das journalistische Qualität über Unabhängigkeit gesichert wird, ist alt, naiv und wahrscheinlich längst überholt. Gleichzeitig ist die professionelle Selbsttäuschung, die in diesem Job derjenige an den Tag legen muss, der weiter denkt als bis zur nächsten open bar, mehr, als ich mir zumuten mag.
Jetzt aber genug Wort zum Sonntag.
Gut am Fest war, Christiane Rösinger in echt zu sehen. Schlecht war, sie nicht ansprechen zu können ohne wie das Äquivalent zum sabbernden Tokio Hotel Fan bei der Verleihung des Bravo Ottos für besondere Leistungen für die Frisur des Jahres zu wirken. Also aus der Ferne schmachten und telepathisch mitteilen, wie groß die Verehrung ist. Sie war auch ins Gespräch vertieft mit Robert Stadlober, der auch irgendwie in dieser PR-Kiste aus Band, Klamotte und Heftchen drinhängt. Nun bitte vorbereiten auf den Satz, der bei einer Prominentensichtung unweigerlich dazugehört: Er war viel kleiner als ich dachte. Ebenso Anna-Maria Mühe, die ungefähr 1, 45 m groß ist, was sie zum absoluten Objekt der Begierde der anwesenden Männer machte, die nur eins mehr mag als einen Body-Mass-Index im einstelligen Bereich: Zwergenhafte Ladies, die ihnen das Gefühl geben, das erste Mal seit den Tagen des Game Boys auf Klassenfahrt mal wieder auf was aufpassen zu dürfen.
Das ist nicht die neue Bitterkeit, wie Frau Rösinger sie einst besang, es ist die blanke Wahrheit.
Zum Schluss noch eine kleine Verbraucherinformation zu meinem Bekleidungsausstatter.

Kommentare:

die andere hat gesagt…

Ich kann nicht glauben, dass Du aus dem Pressekodex zitierst - der einzig wahre Grund, Journalist zu werden, ist doch, Prominente zu treffen und das Gratisessen! Ja, sie können gerne schreiben, dass ich lüge, aber verbieten können sie es mir nicht.

la bonette hat gesagt…

Du meinst, ich bin nur traurig, weil ich noch nicht schamlos genug bin? Gib mir noch 2 Jahre.

Anonym hat gesagt…

anbetrachts der gehälter sind gratisessen vermutlich angebracht und nicht als bestechung zu werten. vielleicht muss unabhängiger journalismus einfach besser bezahlt werden. ist doch ähnlich wichtig, meist sogar effektiver als beispielsweise unsere mdbs.

la bonette hat gesagt…

Das Problem ist nicht das Gratisessen, das Problem ist die Kluft zwischen Anspruch (Unabhängigkeit) und Realität (anbiedernde Berichterstattung über Pseudoereignisse aufgrund von Werbedeals). Und ja, unabhängiger Journalismus sollte besser bzw. überhaupt bezahlt werden und nicht nur als das lästige Füllsel zwischen den Aldianzeigen betrachtet werden.