Sonntag, 17. Juni 2007

Frenemies in families

Spätestens seit letztem Wochenende weiß ich, dass der Feind in den eigenen Reihen lauert, die wir so leichtsinnig "Familie" nennen. Anlass dieser Feststellung war der Besuch bei (eigentlich sehr netter) Verwandschaft 2. Grades, die, wie sich herausstellte, kurz zuvor eine 3-tägige Geburtstagsfeier für eine ihrer wiederum näher stehenden Verwandten ausgerichtet hatte.
Wohlwollend sah ich mir die unvermeidlichen 45 000 Fotografien des Festes an und versuchte gar nicht erst so zu tun, als würde ich mehr als 10 Prozent der darauf abgebildeten Menschen erkennen.
Um meine scheinbare Ignoranz zu relativieren, sollte ich hinzufügen, dass ich um 3 bis 4 Ecken mit dem halben Landkreis, der sich um meine Heimatstadt herum befindet, verwandt bin. Es ist nicht so leicht, sich 200 bis 300 Namen zu merken und die genaue Art der Zugehörigkeit zum Familienkreis.
Glücklicherweise habe ich diese Gegend ja aber soweit zurückgelassen, dass zumindest keine Gefahr seitens Inzest oder ähnliches Malheur droht.
In diesem etwas unüberschaubaren Verwandschaftskreis befindet sich jedenfalls auch jemand, den ich getrost als mein Gegen- Ich bezeichnen würde und spätestens jetzt sollte jedem klar sein, wen ich hier mit "Feind" meine.
Die betreffende Person habe ich zuletzt vor etwa 10 Jahren getroffen, und dann auch nur ungefähr 10 Minuten. Ich glaube, wir unterhielten uns über Haarschnitte. Ich hatte eine 14 cm lange platinblonde Techno-Frisur, sie einen Bauernzopf um den gesamten Kopf gewunden. Schon damals wusste ich, dass das mit einer Freundschaft, geschweige denn "zärtlichen Cousinen" niemals etwas werden würde (nicht, dass ich darauf wert legen würde. Ich richte mich im Grad meiner Anzüglichkeit jedoch nur noch an David Walliams aus).
In dunkler Vorzeit hatten wir uns bei Familienfesten endlos mit dem Anstarren von Kaninchen beschäftigt, eine völlig altersgerechte Handlung für 5jährige.
Nun aber zum Gegen- Ich Part, denn ich fürchte, das mit den Kaninchen und dem Bauernzopf lässt mein Gegen- Ich sympathischer aussehen, als es tatsächlich ist.
Die Parallelen sind so erschreckend wie begrenzt:
Wir sind gleich alt und studieren.
Letzteres bildet eine Grundlage meiner Theorie, dass sie mein Anti- Leben führt, denn ihr Studium führte sie aus der Stadt, in die ich erst zum Studium ging, in die Stadt, die ich verließ. Wir tauschten also quasi Städte, wobei sie, hämisch gesprochen und in a loving way towards my hometown, den schlechteren Tausch machte.
Sie studiert Jura, ich wiederum studiere etwas, dessen Bezeichnung 3 Zeilen benötigt.
Und nun kommen wir zum Grund der Feindschaft, die sich nicht alleine aufgrund dieser Gegensätzlichkeiten formiert:
Wie mir aus vertrauenswürdiger Quelle berichtet wurde, "fragt" diese Person häufiger nach mir, jedoch stets mit dem perfiden Kalkül, mein schmales Lichtchen unter ihre Mondfinsternis zu stellen.
So zweifelte sie einst an, dass ich überhaupt das Abitur mit einer Note bestanden hätte, die es mir erlauben würde, an die von mit gewählte Uni ihrer Heimatstadt zu gehen, die sie ja nicht angenommen hatte. Mit Neid kann ich leben, er ist nur sehr ungewohnt, daher reagierte ich auf diese Anwürfe nicht.
In letzter Zeit modifiziert die Feindin ihre (völlig haltlose) Kritik an mir insofern, als dass sie ständig betont, ihr Studium bald abzuschließen um darauf hin meine ahnungslosen Verwandten zu fragen, wie weit ich denn "sei", womit genau spezifiziert sie dabei leider nicht.
Dann fährt sie fort, indem sie über ihre wechselnden Herrenbekanntschaften berichtet (und vorführt) und auch dann wieder fragt, wie es denn "mit mir" aussähe.
Die inzwischen völlig entkräftete Verwandschaft zuckt lediglich mit den Schultern oder spekuliert.
Im Grunde genommen geht es stets darum zu betonen, wie großartig sie selbst ist und was für ein bemitleidenswerter Versager ich bin (vielleicht sind wir uns gar nicht so unähnlich wie ich dachte), womit ich dann leben könnte, wenn ich diese Person in den letzten 10 Jahren tatsächlich mal gesehen hätte.
Eine eher virtuelle Feindschaft, also.
Hier die häßlichen Fakten, die ich verbreiten werde, um mich für ihr aufrührerisches Verhalten zu rächen:
1. Sie trägt unmögliche blaue, groß-geblümte Kleider, die aussehen wie aus dem Otto- Katalog 1999 (weiß ich von den Fotos des Festes).
2. Ihr Freund sieht aus wie ein Popper und als er einmal ihren Namen verniedlicht sagte, verstanden alle "Kaninchen" (Fotos vom Fest, Anekdote dazu). Das passt zu ihrer Kindheit bzw. unseren Familienfeieraufenthalten im Stall, bei denen sie
3. Die Kaninchen mit einer Perücke erschreckte (okay, ich hatte auch eine auf, aber meine war wenigstens blond und lockig und passte im Großen und Ganzen sehr gut zu meinem Gesicht. Ich habe übrigens keine Ahnung warum ich damals mit diesem Mädchen spielen musste. Wir waren wohl die einzigen Kinder auf den Familienfesten und Gleichaltrige steckt man ja gerne mal zusammen mit Perücken in Kaninchenställe).
4. Als sie einmal Artikel aus einer Tageszeitung brauchte, kaufte sie diese nicht, sondern zwang ihre die Zeitung- abonnierende - Verwandschaft, knappe 15 Kilometer vom Dorf in die Stadt zu fahren (mit dem 2mal am Tag fahrenden Überlandbus) um ihr die Artikel gratis zu bringen. Geiz, Neid (mein Abitur), Wollust (die Perücke) - sucht euch eure Lieblingssünde aus bei meinem Anti- Ich.
5. In den Urlaub fährt sie stets mit dem Zug und immer mit ihrer Mutter, ihrer Großtante und ihrem Großcousin. Ihr Vater war noch nie dabei.
6. In einem dieser Urlaube kaufte sie mal ein Stück Kuchen, nur für sich selbst und ihre Mutter. Ihre Restverwandschaft musste mit wässrigen Augen und Mündern daneben sitzen, als sie ihre Ananas- Schnitte verspeiste.
Ich glaube, das reicht, um meine moralische Überlegenheit dieser Person gegenüber zu beweisen. In Kuchen- Dingen bin ich stets großzügig und auch die Tageszeitung kann ich mir selbst kaufen.
Im Übrigen war ich Jahrgangsbeste, Bitch.
Ich hab vielleicht nichts draus gemacht, aber die Vorraussetzungen waren da, Fräulein Bauernzopf.
Und damit Gute Nacht.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

a) Schick ihr einfach den link deines Bloggs - das vertieft sicherlich eure Freundschaft.

b) Ich wusste gar nicht, dass du Jahrgangsbeste warst! Streberin, olle!

c) Vorschlag: Du begleitest uns am nächsten Samstag auf den CSD. Wir klatschen dich einfach in wechselnden Outfits an stahlharte Waschbrettbäuche oder üppige Oberweiten (die Auswahl wird nach streng demokratischen Strukturen getätigt)und dokumentieren das ganze für die nächste Familienfeier.
Voilà hier kommt sie, LA Bonette, ihr wildes männer- und frauenmordendes Wesen wird nur getopt von ihrem megahippen Studium und den Drogen- und Partyexzessen ihres megahippen Wohnumfeldes!!!!!

Der Sieg ist dir sicher!

V.

PS: Sie wird niemals schneller sein, den spätestens während ihres Referendariates in Posemuckel wirst du sie weit hinter dir lassen.

PPS: Über den in diesem Post zu Tage gekommenen, latenten Argwohn gegenüber Kaninchen müssen wir uns nochmals sehr deutlich unterhalten!

la bonette hat gesagt…

Kaninchen sind kein Problem, zumindest solange sie überschaubar groß sind. Schonmal von "Herman, the German" gehört? Ein Kaninchen so groß wie ein Kalb. Mit dem Fell kann man sich ganze Umhänge nähen! Könnte, meine ich. Seitdem ich weiß, dass Bettina Böttinger zum CSD geht, zweifle ich an der Entspanntheit des Festes...überhaupt: War nicht schon letztes WE Homosexuellen-Party in Berlin?

Kobold der Verkehrtheit hat gesagt…

siehste, schon wieder bin ich nicht eingeladen!

und herr v. hat noch nicht auf meine dvd-abend mail geantwortet. tsssss

Anonym hat gesagt…

Ich kenne Herman. Er ist mein Idol.
Auch mit meinem Körper ließe sich halb Nordkorea ernähren.

Ist nicht jedes Wochenende Homosexuellen-Party in Berlin?
Da werde ich doch von meinem gestrigen Erlebnis berichten: Kollegin nebst Freund (du kennst sie als wir gemeinsam beim Verzaubert-Festival waren), mein Gatte - wenn auch verspätet - und moi sitzen abends beim Inder am Winterfeldplatz um zu schlemmen.
Plötzlich erspähe ich ein Ungeheuer aus grauer Vorzeit: Der (Ex-) Kumpel meiner Ex-Mitbewohnerin (die mit ohne Tisch in der Wohnung und der "meine Wohnung ist gräßlich und zu klein um zu fünft einen Film zu schauen" - Masche ... liebe Grüße, falls sie das liest) zwei Tische weiter unterhält seine Umgebung (Radius gefühlte 2 Kilometer) mit sämtlichen Anekdoten, die ein kreischiger, lauter, reichlich beleibter, mit Geheimratsecken und äußerst lautem Organ ausgestatteter Mensch sich ausgedacht haben könnte.
Umgeben von einer Schar von Jüngern (Marke - wir kommen nirgends rein), die ihn durch ihre Zustimmung immer weiter dazu anstachelten, am Tisch zwischen uns einen armen Austauschschüler aus dem Schwabenland namens Stefan, der mit ein paar Freundinen harmlos ESSEN wollte, anzubalzen und - nachdem er immer lauter und penetranter wurde und dies das Missfallen etlicher Gäste hervorrief, begann, diese zu beschimpfen.
Der Spuk endete erst als ein Herr mittleren Alters ihm Prügel androhte, nachdem er dessen Frau als ausgetrocknete Fotze u.ä. bezeichnet hatte. In solchen Situationen reagiere ich als "Krankenschwester" stets kühl und überlegt - und zückte mein neues tolles handy um ...

Aber halt, liebste Labonette, dies ist schließlich dein Blogg und ich will ihn nicht weiter Missbrauchen.

Also, gehen wir ALLE - auch du, mein kleiner Kobold - zum CSD? Gibt es Vorschläge zum Outfit?

V.

la bonette hat gesagt…

Feel free to blog the comment section. Ich hätte gerne erfahren, ob du der tischlosen noch direkt Bescheid gesagt hast. Überhaupt: Winterfeldtplatz. Ich würd ja gerne sagen "Selbst schuld", aber solche Szenen ereignen sich in dieser Stadt tagtäglich, auch und vor allem in den anderen Stadtteilen unseres Vertrauens. Nur würden die Prügel in Friedrichshain nicht nur theoretisch bleiben. Da werd ich gleich ganz melancholisch. CSD mal sehen, aber DVD - Abend, Hermann!

factory girl hat gesagt…

Jaaaaaaaaaaaa, Du hast Deine eigene blöde Cousine!!!

Mach es wie ich:

1) schenke Deiner Oma ununterbrochen penetrant Bilder von Dir selbst und steche die Rivalin in der Enkel-/Verwandten-Vitrine aus!

2) Sende wahllos Postkarten aus dem Ausland (Primrose Hill!!!) an Deine Familie um ihnen vorzugaukeln, Du würdest sehr viel Reisen.

3) ... okay ich gebe zu das ist erbärmlich ... das war schon alles.

Wie ich meine Cousine und ihren schleimigen Freund hasse!!!

Aber auch ich kann mich darüber freuen, dass ich ein besseres Abi habe als sie (obwohl irgendwer es neulich bestritt, aber ich weiß noch genau als die Mutti mir die freudige Nachricht vor ein paar Jahren mit einem stolzen und überlegenem Grinsen und den Worten "Naja, so weit her isses bei der wohl doch nicht!" überbrachte).

Außerdem studiere ich und sie arbeitet bei der Deutschen Bahn und bereut es angeblich schon ... muahahahaha!!!

Auch das sie aussieht wie ein absolutes Skelett und sich trotz guten Gehalts in Pimkie kleidet ist mir ein innerer Vorbeimarsch.

Und ja, ich muss das alles so aufrechnen, weil sie mir ständig von der Familie (besonders der Oma) vorgehalten wird. Obwohl die Strandmutti der Omma schon gesagt hat sie soll es unterlassen und ich mehr als einmal der Oma gesagt habe, dass die Cousine mich nicht interessiert. 1 Minute nachdem ich zur Tür rein bin, fängt die Oma an von ihr zu erzählen...

ich habe also jedes Recht in der Hinsicht Psycho zu sein...

Wir haben uns übrigens schon als Kinder gehasst ... sie kullerte mein Spielzeug unter das Sofa und zog Oma ständig auf ihre Seite (habe ich erwähnt das ich ein Bastard bin?). Ich glaube wir haben auch mal Kaninchen zusammen gefüttert... in der Badeanstalt, aber selbst da gab es competition.

Ich gebe offiziell der Falschheit der Cousine und der Oma's Schüren des Wettbewerbes zwischen uns die Schuld an diesem Komplex meinerseits!

Anonym hat gesagt…

Hatte ich angemerkt, dass besagte nervtötende Person in FRIEDRICHSHAIN lebt. Kopernikusstrasse 19, Hinterhaus Erdgeschoss.

Und richtig: dort wäre Blut geflossen. Dies ist sicherlich der Grund, weshalb der Herr (?) seine Eskapaden nach Schöneberg verlegt hat.

A propos Blut geflossen: Habe gestern beinahe mein kleines Degu-Baby gekillt. Sie ist aus dem Stall gehüpft und weg war sie. Tja und dann gab es unschöne Szenen. Denn wenn man zu sanft ist, dann kriegt man das Vieh nicht zu fassen. Andererseits ist es reichlich schwierig, seine Kraft zu dosieren, wenn das Objekt der Begierde etwa 1 Million mal leichter ist als man selbst.

Beherzt zugegriffen (vielleicht solltet ihr Mädels das mal mit Cousinen oder wahlweise Omas versuchen) und es quietschte erbärmlich, fing an zu niesen und zu röcheln.
Den ganzen Tag kurz vor dem Pflaumensturz stehend habe ich engmaschig den Zustand meines jüngsten Nagetieres kontrolliert (wie zum Henker misst man da Blutdruck?). Und endlich gegen Abend futtert und hüpft es wieder.
Doch ich fürchte ich bin nun unter starker Beobachtung.
Vielleicht versuche ich es tatsächlich mit "Herman the German". Der wirkt irgendwie robuster...

V.

la bonette hat gesagt…

Beinahe treibt es mir die Tränen in die Augen angesichts der Brillanz dieser Kommentare. Eloquent, geistreich und wahrhaftig...und tonal meinen Einträgen ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Vielleicht sollte ich eine "Gastbeitrag"- Ecke eröffnen, bei der pro Woche ein Kommentator zum Blogger wird...wie in der Tagesschau, nur ohne Politik. Und so.