Donnerstag, 6. März 2008

Alte Männer: Der natürliche Feind des schönen Lebens.

Wäre ich nicht Agnostikerin, ich wäre es spätestens in dieser Woche geworden. Die Vermutung, dass, wenn es überhaupt einen Gott gibt, er mir mit Vorliebe in die Suppe spuckt und an die undichten Stiefel pinkelt, erhärtete sich in den letzten Tagen in folgenden Momenten:
1. Dienstag morgens 7:56 Uhr, die Snooze-Taste wurde gerade das 2. Mal gedrückt als es an der Tür klingelt und zwar nicht an der Haustür sondern an der verdammten WOHNUNGSTÜR, was heißt, wer immer sich um diese gottlose Uhrzeit entschlossen hat, mich zu nerven, er tut es in 5 Meter Entfernung. Getreu meinem Motto, unangemeldete Störungen zu ignorieren, drehe ich mich um und warte, bis das Klingeln aufhört. 20 Minuten später, ich bin gerade unter schweren Müdigkeitsqualen aus den Ruinen meiner Bettstatt auferstanden und versuche im Bad das verquollene Etwas, das sich über Nacht an Stelle meines Gesichts gebildet hat, mittels Gähnen zu zerstören, klingelt es erneut. Entsprechend wütend über die neuerliche Störung meiner Morgenroutine (20 Minuten vor dem Spiegel stehen und Gähnen) und nur unwesentlich bekleidet, entschließe ich mich, mal zu fragen, was denn los sei da draußen. Es könnte ja schließlich die Feuerwehr sein, die fragt, ob wir Interesse hätten, das Haus zu verlassen, bevor es abbrennt und inzwischen zu höflich ist um einfach die Tür einzutreten. Als ich hinter der Schlosskette hervorluge, erblicke ich den alten Mann, der vor Wochen die Heizung abgelesen hat und einen anderen alten Mann. Beide schauen mich irgendwie schuldbewusst an. "Entschuldigung, habe Sie unsere Karte nicht bekommen? Wir tauschen heute ihren Wasserzähler aus."
Natürlich habe ich keine Karte bekommen. Niemand hat eine Karte bekommen. Ich fange an, halb hysterisch zu lachen bei der Aussicht, gerade in einem unsäglichen Ensemble aus kurzem Nachthemd, Kapuzenjacke und Wollsocken vor Wasser-Installateuren zu stehen, die gleich in ein mehr als angesifftes Bad gehen wollen. Die Herren scharren halb hoffnungsfroh, halb peinlich berührt mit den Füßen und schließlich entscheide ich, dass die Sache kaum noch peinlicher werden kann (schließlich wissen sie jetzt mit Bestimmtheit, dass ich das erste Klingeln mittels Totstellung meiner selbst versucht habe zu ignorieren und sie haben schon jetzt mehr von meinen Beinen gesehen, als wir alle es uns gewünscht hätten) und lasse sie ihre Zähleraustauscharbeit verrichten. Dabei werfen sie auch nur eine der 56 halbleeren Shampooflaschen vom Wannenrand runter.
2. Der Winter, konkret: Dichter Schneefall entschließt sich genau dann zurückzukehren, wenn die BVG streikt und ich die Hälfte der Strecke zur Affenhölle ohnehin zu Fuß zurücklegen muss während ich die andere Hälfte zusammengequetscht in überfüllten S-Bahnen stehen darf, ein Privileg, das mir am Montag durch Manfred Schells absurde Ruhmsucht auch noch verwehrt wird. Ich habe mich inzwischen entschlossen, den Generalstreik der Transportfuzzis zu kontern, indem ich versuchen werde, mit einem Drehstuhl auf die Arbeit zu fahren. Oder ich laufe einfach Sonntag Abend los, in einer Aktion, die, wenn sie viele Kollegen daran beteiligen, auch leicht zu einem Sternmarsch auf Berlin Mitte entwickeln könnte, an deren Ende die frustrierten und verspäteten Streikopfer die BVG enteignen und einfach selbst ihre Bus- und Bahnlinien befahren. Ich sehe mich schon in einem Doppeldecker an Haltestellen vorbeifahren, die ich noch nie leiden konnte. Rachefantasie, du bist mein einziger Freund.
Da verdi mit seinem unaussprechlichen Oberbeschwerer Frank Bsirske sich nun auch noch in den Arbeitskampf begeben hat (wobei der Begriff ja eigentlich "Anti-Arbeitskampf" heißen müsste, schließlich wollen die nicht mehr, sondern weniger Arbeit für mindestens das gleiche Geld) und Flughäfen lahmlegt, sehe ich auch schon das großangelegte und heißerwartete Wir-wollen-Adlige-in-Cornwall-heiraten-wie-im-ZDF-vorgeführt Oster-Urlaubsereignis zu Scherben zerfallen. Sollte dies passieren, befürchte ich, werde ich nicht nur mit Drehstuhl sondern auch mit einer Pumpgun unterwegs sein demnächst. I´ll keep you posted on that.

Kommentare:

kobold hat gesagt…

your blog made my day

la bonette hat gesagt…

Thanks, Darling!