Dienstag, 11. September 2007

No one died...well, at least not physically

Da ist man mal ein Wochenende im Ausland um David Walliams zu stalken und Amy Declinehousens Überdosis live zu erleben sich beim Versuch, einen dieser abartig reichen russischen Oligarchen Nordlondons in eine betrunkene Eheschließung zu quatschen völlig zu ruinieren, schon beenden sowohl Britney Spears als auch ihre deutsche Version (auch sie sang einst und sie war dabei sogar noch furchtbarer als ihre amerikanische Schwester im Geiste) Eva Herman ihre Karrieren, die eine mit einem fürchterlichen Outfit und Gleichgewichtsstörungen, die andere bei den VMAs.
Obwohl beide Downfalls beileibe nicht sonderlich überraschen, sind es doch die Kleinigkeiten, die es mich (nicht wirklich) bereuen lassen, lieber die Straßen von Camden auf der Suche nach David und Amy W. verbracht zu haben als gehässig lachend vor dem Fernsehen/Internet gesessen zu haben als diese beiden Zeitbomben sich selbst zerstörten.
So finde ich es zum Beispiel recht amüsant, dass Frau Herman mit ihren melancholischen Betrachtungen zum Mutterkreuz und anderen präfeministischen Schmuckstücken Aushängeschild dieser Kampagne ist, wobei eine Anti-Nazi Kampagne, die darüber hinaus auch noch Sergej Barbarez und Johannes B. Kerner für sich werben lässt einen geradezu gewaltsam in die sächsische Schweiz treibt, wo man es sich als "Protestwähler" gemütlich machen kann, bis die Locals eines schönen Abends mal kurz anzünden, einfach, weil man mehr als 20 Kilometer Anreise zu ihrem schönen Dorffest hatte. Oder so ähnlich.
Nun aber endlich das Update zu meinem Friseurbesuch in Camelot letzte Woche.
Schon als ich den von mir aufgrund seines annehmbaren Preises von 10,50 Euro pro Schnitt gewählten Budget- Friseur mit dem Charme einer Bahnhofshalle betrat, wusste ich, zu wem ich NICHT wollte:
Ein sehr heterosexuell (da nach Marzahn, soll heißen: Asi-Auswasch-Jeans, Basecap) aussehender, nervöser, kleiner Typ, der sich gerade an Strähnchen versuchte und sich dabei mit seiner aktuellen Kundin über ihre bevorstehende Reise nach Marbella unterhielt.
Natürlich hatte ich dann mit ihm das Vergnügen, was sich bereits beim Haarewaschen als Problem erwies, da er (wie so viele andere Vertreter seiner Zunft) nicht verstand, dass das Kommunikationsvermögen erheblich eingeschränkt ist, wenn man einshampooniert und seine Tasche umklammernd den Kopf im Nacken auf einem Stuhl sitzt und eine Dusche fließt.
So gestaltete sich das Gespräch über unsere unterschiedlichen Vorstellungen meine Frisur betreffend recht schwierig, was sich jedoch, wie durch ein Wunder, eher positiv auf das Ergebnis auswirkte.
Bevor ich dieses allerdings bewundern konnte, stand mir eines dieser furchtbaren oberflächlichen Friseurgespräche bevor, die sich in diesem Fall durch übermäßige Offenheit (seinerseits) und erhebliches Desinteresse in Kombination mit morbider Faszination (meinerseits) mischte.
So eröffnete der Marzahn- Coiffeur den Monolog über sein Leben mit den (rhetorischen) Fragen, warum er denn keine Frau finden könne, ob es denn nicht mehr modern sei, Frauen direkt anzusprechen, er zue dies, und keine würde ihn erhören.
Ohne eine Reaktion von mir abzuwarten (die zugegebenermaßen in Schulterzucken und dem vermessenen Gedanken "Bitte, lass das keine Anmache sein!" bestand), fuhr er damit fort, mir mitzuteilen, dass er sich vor kurzem nach 6 Jahren getrennt habe und seitdem auf der Suche sei, allerdings sei es schwer für ihn, beispielsweise jemanden auf der Arbeit oder im Freundeskreis zu treffen, da er "alles ganz strikt voneinander trennt: Beziehung, Freundeskreis, Arbeit".
Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass der Typ ein ernsthaftes Problem hatte.
Auf meinen (unberufenen) Tip hin, es doch mal in der "Disco oder so" zu versuchen (er sah nicht nach Clubs aus), meinte er, da könnte er nicht hingehen, da er dann sterben würde. Mit dieser dramatischen Einleitung eröffnete er mir ein nächstes Kapitel in dem Buch, das mich nicht interessierte und das er sein Leben nennt: Seine vergangene Drogen- und Alkoholsucht.
Jeder Gang in ein Tanzlokal sei für ihn ein "Höllentrip" (ist es das nicht auch für Nicht-Süchtige? Der Anblick von Size 0- Mädchen kann ja wohl jeden in den Selbstmord treiben), den er nur mit Hilfe seines besten Freundes überstehe, welcher darauf achtete, dass er nicht rückfällig werden würde, womit sich die guten Taten dieses Samariters damit allerdings bereits erledigt hätten:
"Manchmal will mich mein Freund verarschen und küsst mich dann auf den Mund oder fässt mir an den Hintern wenn ich gerade eine Frau ansprechen will. Die denkt dann natürlich, ich bin schwul und es geht nichts mehr. Naja. Er findet das halt lustig."
Ich dachte, damit wäre der komödiantische Höhepunkt seiner Schilderung bereits erreicht, wurde jedoch eines besseren belehrt, als er anfing, von seinem Hobby zu sprechen:
In seiner Freizeit ist er Ritter, wobei er nicht "über Märkte bummelt und so" sondern sich dank langjährigen networkings in der Mittelalterszene am Wochenende in Rüstung und Kettenhemd wirft und sich dann mit Gleichgesinnten an "geheimen" Plätzen trifft um aufeinander einzuschlagen.
Er betonte mehrfach, dass er einer dieser "respektlosen" Typen sei, die auch mal den (Nerd- Wort einfügen) Meister (?) eines anderen Clans (????) herausforderten, auch auf die Gefahr hin, dann ordentlich auf die Fresse zu kriegen (ich persönlich glaube, dass er deshalb überhaupt nur teilnimmt an diesem Fightclub für Marzahner und die, die es werden wollen).
Wahrscheinlich hätte ich seinen Ausführungen noch aufmerksamer gelauscht, hätte er nicht die ganze Zeit mit einer Schere an meinem Kopf herumgefummelt aber so nickte ich nur und betete stumm, dass er nicht auf der Suche nach Crack- Geld in meinem schmalen Portemonnaie anfangen wollen würde.
Die Euphorie meinen neuen Haarschnitt betreffend könnte also auch mit meiner Erleichterung darüber, noch am Leben zu sein zusammenhängen. Aber wer will das schon so genau trennen (können).
Darüber hinaus: stay tuned für den ultimativen Bericht über den Ballermann der Gothikfans, als der sich Camden entpuppte.

Kommentare:

factory girl hat gesagt…

OMG!

aber war es Dir nicht ein unglaublicher innerer Vorbeimarsch? Es ist doch immer schön, wenn man jemanden trifft, der so viel schlechter dran ist als man selbst (Ritterspiele!)!

Ich rufe nachher den Friseur meines Vertauens an um zu sehen, ob ich heute noch vorbeikommen kann, aber wenn mir nicht gerade wieder die etwas einfach gestrickte Azubine die Hände massiert, dann wird es nicht halb so absurd wie bei Dir, denn es ist ein normaler Friseur mit normalen Angestellten.

Der Besuch hat gesagt…

Auch mich beschäftigt vor allem diese Friseurnummer. Plane ich doch schon seit Wochen die Sammelkarte meines Billigfriseurs endlich voll zu machen. Nun habe ich Angst. Vielleicht sollte ich stattdessen einen Besuch beim "bash-club" erwägen, ist zwar schätzungsweise 5x so teuer, am ende sehe ich aber aus wie ein echtes Münchner (wie sagt ihr immer so schön?) hiptart (?), oder halt wie Bastian Schweinsteiger...der da wie all seine Fußikumpanen regelmäßig verunstaltet wird.
Anyway. Hätte gerne mal einen Bildbeweis vom Ergbnis des Ritterfriseurs!

la bonette hat gesagt…

Gibt es sowas wie Hiptards in München? Ein Fotobeweis DESSEN wäre mir auch ganz lieb. My beautiful hair wurde gestern auch auf einer Familienfeier verdächtig oft gelobt. Ich betonte dann mehrfach die implizite Unwertschätzung meiner vorherigen Frisur. Jedenfalls hoffe ich auf baldige stalking-weekend Fotos, die ich semi-anonym schoß, um sie auch hier veröffentlichen zu können. Dort kann man meine schönen Haare dann bewundern! Ansonsten möchte ich dringend von Infriseuren jeder Form abraten! Da sieht man doch nur aus wie ein Soapsternchen danach oder eine Fußballerfrau. No, No, No!