Dienstag, 9. Januar 2007

La Bonette: Academic Failure

Das längst überfällige Gespräch zu einer meiner diversen ausstehenden Hausarbeiten fand heute zu absoluter Nicht-Überraschung aller Beteiligter einen eher unbefriedigenden Ausgang. Tief in meinem Herzen habe ich schon immer gewusst, dass ich mein fachspezifische Verständnis 30 Jahre überaltet, oder wie es der Dozent nannte "nicht ganz state of the art" ist. Nun aber bin ich gewiß: Fürs durchkommen könnte es reichen, aber nur unter meinem alten Leitsatz "4 gewinnt". Ich hatte gehofft, dass die 30 minütige Verspätung des Dozenten zum Termin (und meine großzügige Duldung) so eine Art Vorteil für mich seien, weil sich der Typ dann irgendwie schuldig fühlen würde und vielleicht weniger harsch in seinem Urteil, kryptisch in seinen Empfehlungen und herablassend in seiner Art. Leider war dies nur einer der Fehler, die mir heute (und eigentlich at any given weekday) insgesamt unterliefen. Wer hätte ahnen können, dass man durch konstantes Ignorieren von selbstherrlichen Professoren und deren Literaturempfehlungen am Ende vor einem Mittelklasseakademiker mit C&A- Anzug und dünnem Haar
zu Kreuze kriechen muss um überhaupt die Aussicht auf einen Leistungsnachweis zu erhalten. Ich sicherlich (nicht), deshalb stimmte ich suizidial (wenigstens auf meine akademischen Erfolgsaussichten bezogen) zu, eine Art "Skizze" der ausstehenden Arbeit demnächst abzuliefern. Eigentlich hab ich das aber nur gesagt, um den Mann einigermaßen ruhigzustellen und dann per Mail meinen erneuten beschämenden Rückzug zu erklären. Es ist soviel weniger erniedrigend, wenn man den Leuten nicht dabei in die Augen sehen muss während man sich wieder eingestehen muss, an gewissen Mindestanforderungen gescheitert zu sein. Kurzer Auszug aus dem Gespräch (es geht um einen Film):
Ich: "Ich wollte auch eine formale Analyse in Tabellenform anfertigen um meine Thesen über die inhaltlich divergierende Gestaltung der einzelnen Handlungsorte zu untermauern."
Er: "Ja, aber das hat ja nichts mit formalen Kriterien zu tun. Das könnten sie auch auf jedes andere inhaltliche Motiv beziehen, zum Beispiel die Tatsache, dass Dopplungsmotivs."
Ich: "Wie soll ich das denn potentiell in jeder einzelnen Szene nachweisen können?"
Er: *bedauernd guck* "Ja, da haben wir wohl ihr Problem." Subtext: "Ich halte Sie für den armseligen oberflächlichen Fernsehjunkie, der sie sind. Sie lesen keine Reader, sie sind nur in der Uni, um sich über Kommilitonen lustig zu machen, die schön über gender studies oder Computerspiele berichten können. Ich weiß, dass sie Privatfernsehen gucken und ich mißbillige all dies. Gehe sie mir aus dem Licht."
Das wird ein schlimmes Ende nehmen mit dieser "Skizze". Wahrscheinlich wird er noch in Jahren seinen Kollegen und Musterstudenten meine lächerlichen Versuche unter die Nase halten, als eine Art "Lustiges Taschenbuch" für Akademiker.
Nun aber hurtig kurz noch ein paar Worte zum Wochenende, das ich, entgegen meiner Gewohnheit, in der anmaßenden Ortschaft Leipzig verbrachte. Ich war dort um jene zu besuchen und wieder andere zu verfolgen (sort of) bzw. sie ob ihrer schändlichen Flucht aus der Hauptstadt ohne die vorherige Einholung meiner persönlichen Billigung zur Rede zu stellen. Best of:
1. Einsteigen ins Taxi, nachts um 1 (der ÖPNV lässt einen schnell im Stich in L., es sei denn, man möchte ungefähr 5 Stunden Fahrtzeit für eine Distanz von 4 km benötigen). Nachdem der Taxifahrer gehört hat, wohin ich will (eine Straße im östlichen Zentrum der Stadt), folgende Frage: "Wo isn das ungefähr?" Ich glaube nicht, dass jemand, dessen Beruf es ist, Leute zu bestimmten Orten zu fahren die jeweiligen Leute fragen sollte, wo "das" ist, zumindest, wenn er nicht gerade in Tokio ist. Oder gar kein Taxifahrer.
2. Curryhuhn mein Spanier bestellt. Schnell bereut, viel zu spät fiel mir ein: Da waren doch Araber (sort of), nicht Inder. Asien, Asien: Ein weites Feld.
3. Spätis gibbet dort nicht, man muss Alkohol ordinär in Imbissläden kaufen (die, wenn man Glück hat, überhaupt Alkohol haben). Schlecht, wenn man konditioniert ist, kurz vor 3 mal doch noch 2 Liter Glühwein trinken zu wollen.
4. 4 schätzungsweise 18jährige am Nebentisch im Lokal. Das "Gespräch" (Folter für mein zwar abgestumpftes, aber noch nicht gänzlich totes Hirn) drehte sich (völlig altersgerecht) ausschließlich um Fortpflanzungspartner. Sätze wie "Ich darf ja eigentlich keinen mit arabischen Genen nehmen, weil dann kommen meine eigenen arabischen Gene durch, also muss ich den nordischen Typ nehmen, aber mein Zahnarzt ist sooo süß, und der ist ja auch eher der arabische Typ...Was soll ich denn jetzt X schreiben um Schluß zu machen?" fielen. Es wurde auch diskutiert, ob man das Wort "schnattern" in einer Kurzmitteilung an einen Jungen verwenden darf. Ich weiß es nicht (bin weder Huhn noch Ente) und bitte daher um schnelle Aufklärung durch die potentielle Leserschaft meiner 2 cents.
Übrigens mache ich maßgeblich die Mitbewohnerin für mein akademisches Versagen verantwortlich. Sie guckt sogar noch mehr Privatfernsehen als ich.

Kommentare:

10345753 hat gesagt…

Congratulations. Its a nice blog you are keeping here. Keep it up and all the best.If you have some time, do checkmy personal blog and don't forget to leave a little comment for me while you are there.

la bonette hat gesagt…

Wie kann man denn deutsch lesen und englisch kommentieren? Eine Falle!

kobold der verkehrtheit hat gesagt…

das ist ein fake! das erkennt auch der kobold!

sag mal... bist du etwa zu dem herrn dingens... na wie hieß er doch gleich, dieser schmale... herr groß!!!bist du etwa zu dem gegangen? och nö. ich messe doch meine scheine mit den scheinen meiner lieblingskommilitonen, die sorgfältig danach ausgewählt werden, am besten *noch* weniger als ich für die uni zu machen. wenn du da jetzt ne HA schreibst, bin ich in enormem zugzwang!

nicht schnattern, es heißt "knattern".

la bonette hat gesagt…

Alles richtig wasde schreibst, Kobold. Ich muss aber mal schreiben, sonst komme ich in die Studentenhölle bestehend aus Lutz und Co.

Anonym hat gesagt…

Liebste La Bonette!

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Gespräch mit Herr-Ich-veranstalte-chaotische-Seminare-aber-ich-bin-fachlich-sowas-von-state-of-the-art. Wie du weißt, hatte ich bereits das Vergnügen einer solchen "Beratung". Mittlerweile scheint er aber das Abkanzeln studentischer Arbeitsmethoden zum Credo erhoben zu haben.
Seiner Meinung nach haben ALLE Studierenden, die ALLE mit einstelliger Semesterzahl aufwarten können, angeblich seit 30 Jahren veraltete filmwissenschaftliche Analysemethoden verinnerlicht.
Dieses - sofern richtig (was ich stark bezweifle, denn einen Automatismus neu=einzig richtig möchte ich stärkstens in Zweifel ziehen)- ist selbstverständlich ein Problem der Studierenden, die sich ALLE konsequent und verbohrt im Laufe ihres Studiums der modernen, wahren und einzig richtigen Methode verweigerten, die an seinem/unserem Institut gelehrt wird.

Unser Gespräch verlief dann im Nachhinein sehr amüsant.
Denn nachdem ich darauf verwiesen hatte, dass meine Konzepte auf den Inhalten seines Seminars basierten und man hier exakt die selbe Kritik anbringen könnte, ward das Köpfchen gar nicht mehr blass , sondern cäsaren-purpurfarben und schickte mir eine Salve an "das ist ihr Problem, das habe ich schon im Seminar gemerkt". Nachdem ich weder von der Kritik noch von den "Ratschlägen" überzeugt werden konnte, ertönte plötzlich viel Wehgeschrei ob meiner bockigen Art und der Zeit, die er "freiwillig" in den Gesprächsterminen "opfere".
Manche Menschen seien nicht für ein wissenschaftliches Studium geeignet.

Dazu kann ich nur sagen:
Ich habe einen Beruf (mit Diplom)
Ich habe ein abgeschlossenes Studium (mit Diplom)
Meine Zwischenprüfung in "seinem" Fach, für das ich "nicht geeignet sei" habe ich trotz des "veralteten Wissens" mit Bestnote bestanden.
Ich kann mich verständlich und verbindlich ausdrücken.
Ich gestehe einem wissenschaftlichen Diskurs und dessen Teilnehmern eigene Standpunkte, Rückschlüsse und Ergebnise zu.

Also, meine Liebe, wir sehen uns im nächsten Semester, um bei Dozenten mit ausgeglichenem und an die eigenen Fähigkeiten angepassten Ego eine Seminararbeit zu schreiben.

V.

la bonette hat gesagt…

Lieber V.,
Als ich im Gespräch mit dem Imperator auf dich verwies ("Ich habe nicht nur mit Frau C. sondern auch mit Herrn T. gesprochen.") wurde der gute Mann irgendwie recht still. Jetzt erklärt sich auch, wieso. Ich verehre dich ob deiner Standhaftigkeit. Du hast ja völlig recht. Andererseits: Du hast immerhin auch schon was anständiges gelernt und bist nicht mehr auf den Laden angewiesen.

die mitbewohnerin hat gesagt…

Zunächst möchte ich mich doch stark dagegen wehren, dass ich wieder mal an allem schuld sein soll.

Ach ja, und wieso wusste ich nichts von besagtem Gespräch mit dem Großmeister der Filmwissenschaft? Aber eigentlich kann ich sehr gut verstehen, dass man es lieber einmal aufschreibt, als sich wiederholt mit einem Gegenüber (in dem Fall mir) zu beschäftigen, das nur nicht in die Verlegenheit eines solchen Gespräches kommt, weil es die vorauszusehende Demütigung sofort fürchtete (und scheute) und dazu noch jeglichen filmwissenschaftlichen Ehrgeiz vermissen lässt! Also meine Verehrung für deine Leistung!

frenzy hat gesagt…

oh you've got your first nutter!!! hihi!

Möge ein Blitz in den Elfenbeinturm fahren!

Da ich ja jetzt im März zurückkomme, muss ich auch sehen, dass ich scheinfrei werde ... und ich hoffe ich kriege es gebacken diese seltsame Arbeit über Könige zu schreiben.

Wie ich allerdings jemals meine Abschlussprüfung bestehen soll, weiß ich nicht!

Ich habe im Haupstudium mit Absicht theater-ferne Quatsch-Seminare mit Hang zu Prominenz und Fußball belegt. So habe ich es geschafft meine Belegzahl zusammen zu bekommen ohne mich mit den absoluten Spinnern auseinandersetzen zu müssen... über Theater weiß ich nichts. Problematisch!

Ich möchte auch anmerken, dass ich allen von uns die Schuld gebe. Was ist nur aus den äußerst engagierten Schülerinnen geworden. Ein Semester L und SO haben es geschafft uns jegliche Motivation zu entziehen und dann haben wir uns gegenseitig im Nichtstun ermutigt!

We need a pace car ... like Rory und Paris!

So ... ich muss jetzt The real Housewives of Orange County und dann Celebrity Big Brother mit Jermaine Jackson gucken ... und wenn ich zurück komme bestelle ich Premiere!

Die andere hat gesagt…

1.) Man guckt nicht verdummendes Privatfernsehen, man erwirbt Medienkompetenz.
2.) Selbst die Affenhölle ist besser ausgestattet als jedes Dozentenbüro - und im Gegensatz zu den schönen westdeutschen Unibauten auch nicht Astbestverseucht.
3.) Dozenten können sich nur über ihre Studenten profilieren, da sie außerhalb der Uni gedisst werden. Berechtigter Weise. Das nutzen sie schamlos aus, aber eines Tages werd ich mich rächen. Außerdem haben viele erfolgreiche Menschen auch keinen Uni-Abschluss. Günther Jauch. Günther Netzer. Lothar Matthäus. Und auch Woody Allan, glaub ich.
4.) Wem sollte ich denn bitte meinen ersten Grimme-Preis widmen, wenn nicht dem Professor, der mich aus meiner Zwischenprüfung entließ mit den Worten "Was studieren sie denn noch? Na, hoffentlich können sie wenigstens das..."?!
Seien wir ehrlich, wir brauchen dumme asoziale Dozenten, um uns erhaben zu fühlen...

la bonette hat gesagt…

Ausgezeichnete Kommentare. Jermaine Jackson hat bestimmt auch keinen Abschluß.

frenzy hat gesagt…

das denke ich auch... seine Stimme wird jeden Tag immer spookyger zu der von Michael Jackson.

Ich habe gestern Nacht ein paar Ivy-League Unis recherchiert... fragt nicht! Zum Heulen!!!

btw: meine Krankheit hat mich halluzinieren lassen, aber das zu anderer Zeit an anderem Ort!