Dienstag, 20. März 2007

Große Momente der Lächerlichkeit, on- und offscreen

Aus unserer Reihe „TV Diamanten Großbritanniens“ heute wie angekündigt ein weiteres Highlight in Kurzbeschreibung. Es handelt sich um eine großartige Unterart der momentan inflationär-wiederbelebten Talentshows und trägt den Titel „When will I be famous?“. Eine Frage, die die Teilnehmer offensichtlich nur rhetorisch meinen können. Zu meinen Lieblingen gehörte zunächst einmal „Budgie Man“, ein älterer Herr mit einer Drehorgel (wenn ich mich richtig erinnere), auf die er, ein fröhliches Lied trällernd, nach und nach Wellensittiche aus einem Pappkarton setzte. Er benutzte zum Rausangeln und Neuplatzieren der possierlichen Vögelchen eine Art....Eisenstange, die er ohne den Tieren offenkundigen Schaden zuzufügen, recht geschickt bediente. Jedenfalls kriegte er ungefähr 43 Sittiche auf seine Orgel, und das alles singend. Ein beeindruckendes Talent, das in Fußgängerzonen vielleicht auch gut ankommt, dort aber total verschwendet ist. Zu meinem kompletten Missfallen schaffte der Budgie Man nicht den Sprung in das große Finale der Show, das jedoch mit nicht minder begabten Künstlern auswarten konnte.
Der erste Teilnehmer, ein aus einem nicht näher bezeichneten Land Osteuropas stammender Artist, nannte sich selbst „The Human Slinky“. Ehe geschwind zum Wörterbuch gegriffen wird: Slinky bezeichnet ein Spielzeug, das den Ostteil Deutschlands und damit mich erst in den Neunziger Jahren erreichte, im kapitalistischen Teil der Welt aber schon lange vorher bekannt war. Es handelt sich dabei um eine überdimensional-lange Metallspirale, deren Reiz sich vor allem offenbart, wenn man sie auf die oberste Stufe einer Treppe setzt und dann anstößt. Dann verlagert sich nämlich ihr Gewicht nach vorne und das gute Stück wandert, voll slinky-mäßig, die gesamte Treppe herunter. Wunder der Physik als Spielzeug, das waren noch Zeiten. Mein Slinky war übrigens Regenbogenfarben, genau wie das Gerüst, in das sich der Osteuropäer zwängte, um sein Talent vorzuführen. Man muß sich dieses Kostüm als riesige Variante eines Slinkys vorstellen, das allerdings uncharakteristischerweise, zwei Öffnungen unten hatte, für beide Beine eins. Diese waren aber farblich so gestaltet, das das Ganze aussah wie eine riesige Slinkyspirale. Ich fürchte, meine Worte werden der 1 A Show des Artisten nicht gerecht. Ich kann nur sagen: Er war sehr gelenkig und man hat gar nicht gemerkt, dass er hinter den Slinky- Bewegungen steckte. Leider brachte er die Nummer mit der Treppe nicht und das war ein schwerer Fehler, zumindest in Anbetracht seiner harten Konkurrenz, die aus einer Gruppierung namens „The Red Hot Chilli Pipers“ bestand. Dabei handelte es sich um eine Dudelsackkappelle der Sonderklasse, die natürlich in Kilts und mit Gesichtsbehaarung aller Art auftrat, was auf den ersten Blick zugegebenermaßen wenig spektakulär erscheint. Ihr eigentliches Talent lag in ihrem Repertoire, das ausschließlich aus Klassikern der Rockmusik bestand. So habe ich „TNT“ noch nie gehört. Natürlich hatten sie mit diesem arg lokal angehauchten Auftritt ein leichtes Spiel bei BBC Scotland und den betrunkenen Schotten vor den Bildschirmen und gewannen. Der arme Osteuropäer musste zurück auf die Straße. Gerecht ist das nicht, aber sehr amüsant. Und jeder einzelne Teilnehmer war patenter als diese Nullnummern bei deutschen Superstar – und Supermodelsuchen. Ein echter Hauptgewinn für die prime time also. Soviel zu den britischen TV- Klassikern. Noch ein Ausflug ins echte Leben: Ich bin heute während der Arbeitszeit schwer gestürzt, und das nur, weil man zu knickrig ist, um im Treppenhaus Licht anzumachen. Souverän wie es meine Art ist, bin ich nach circa 5 Minuten und lauten Fluchen einfach weitergelaufen obwohl sehr viel meiner inneren Stimmen dafür waren einfach liegen zu bleiben um die erste Hilfe-Skills der Kollegen zu testen. Diese Idee realistisch betrachtend und daraufhin eine Spontanamputation fürchtend, humpelte ich von dannen. Auch wurde ich heute gefragt, ob es nicht „toll“ sei, dass mein neuer Arbeitsplatz eine Toilette in nächster Nähe hat. Ich muss den Eindruck vermitteln, dass mir sanitäre Einrichtungen und ihre Erreichbarkeit sehr wichtig sind. Ich mache die Strähnchen dafür verantwortlich.

Kommentare:

factory girl hat gesagt…

ja ... der human slinky war schon toll!!!

http://www.innotown.com/files/images/orginal/BCfEFDEIAB1.jpg

damit hast Du Dich allerdings gegen The Sex Inspectors entschieden! oder hattest Du sie schon in Deinem ersten Schottland-Bericht erwähnt? anyway ... ich bin nach wie vor schockiert von den Wärmelichtkameras und den "Trockenübungen".

Die Affenhölle ist ja echt hinterhältig.
Als ich noch arbeitete bin ich ja immer bei der Nachbarfirma auf's Klo gegangen. Weniger Betrieb, sauberer und teureres Toilettenpapier... dafür habe ich gut und gerne 30 Schritte mehr in Kauf genommen.

la bonette hat gesagt…

Über die sanitären Einrichtungen der Affenhölle könnten Bücher geschrieben werden...vielleicht mach ich das auch eines Tages. Die Sex Inspectors waren mir nicht originell genug. Schließlich gabs die auch in Deutschland schon, wenn auch nicht so...graphisch.