Sonntag, 3. Dezember 2006

"Ganz ohne sie wär man allein. Drum sollten Nachbarn auch gute Freunde sein."

Das Betrinken gehört zum Samstag abend wie das Ringelshirt und die Krawatte zu Avril Lavigne, auch wenn sie uns in letzter Zeit mittels seltsamer
Kollaborationen mit Karl "Eating is evil" Lagerfeld etwas anderes weiszumachen versucht, dieses kanadische Frettchen. Anyway: Ich habe mich nicht nur sinnlos betrunken, ich habe auch etwas gelernt am gestrigen Abend. Etwas, das mein Leben reicher macht, meine Zukunft schillernder und meine potentiellen Nachkommen schon jetzt zu erwartungsgemäßen Genies denn ich werde dieses Wissen zeremoniell weitergeben...spätestens mit 12, wenn sie ihre erste eigene Wohnung beziehen. Meine nichtexistenten Leserfreunde, es geht um die Kunst, seine Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben.
Trinkfreund M. wohnt seit 4 Jahren in einer recht kommoden 2 Zimmerwohnung zum annehmbaren Preis in notorious Friedrichshain. M. ist hauptberuflich Makler, aber seine eigentliche Berufung ist das Konsumieren von Spaßsubstanzen (pflanzlicher Natur) und Auflegen von elektronischer Musik auf Plattenteller. (Nicht nur) letzteres macht er ab und an auch zu Hause. Nun ist vor ca. einem halben Jahr eine neue Nachbarin eingezogen, Anfang 20, Studentin und anstrengend (es sieht nur aus wie eine Tautologie). Wann immer er seine Musik auflegt, steht sie vor der Tür, ruft entweder ihn oder die Polizei an und äußert ihr Mißfallen. Auf die Dauer wird das für M. ganz schön anstrengend, v.a. wenn es morgens um 5 ist, man gerade angenehm selbstvergessen, da besoffen, auflegt, sich über die zur Musik passenden Discolichter auf der Straße freut um kurz darauf eine barsche Altherrenstimme zu hören, die hinaufschreit "Machense mal die Musik leiser, hier is die Polizei.". Und das kurz nachdem man die Partymäuschen mit dem funky Licht hochbitten wollte. Jedenfalls wurde es M. irgendwann zu bunt und er beschloss zum Gegenangriff überzugehen. Da sich seine Nachbarin, die wir im Folgenden nur noch "die Tussi" nennen wollen, auch bereits bei der Hausverwaltung über ihn beschwert hatte, schrieb M. an eben diese Verwaltung einen höflichen Brief, in dem er 1. anbot, die von der Tussi angedrohte Mietminderung aus eigener Tasche zu zahlen 2. selbst eine Mietminderung verlangte, da er sich in der Nutzung seines Freiraums eingeschränkt fühlte. Ich konnte dieses Argument insofern nachvollziehen, als dass die Tussi sich nicht nur über Musik nachts, sondern auch über Musik am Samstag nachmittag beschwerte. Das geht selbst mir zu weit. Wochenende ohne stampfende Bässe irgendwo im Haus? No way. M. las im Mietrecht nach und stellte fest, dass die Tussi sich nicht hätte beschweren können, wenn er, sagen wir mal, Handwerker o.ä. in der Wohnung gehabt hätte statt einfach nur 1000 Platten mit diabolischer Elektromugge (m.:"Da sind zum Teil nur so seltsame Geräusche drauf. Krächzen und so. Ziemlich cool."). Daraufhin startete er Stufe 2 seiner Rache: Er kündigte seine Wohnung zum nächstmöglichen Termin (was, aufgrund der katastrophalen Heizungsnachzahlung jedes Jahr nicht allzu schmerzlich war) und griff zu einer Reihe knackiger Maßnahmen, die die Tussi in den Wahnsinn treiben sollten.
Bevor er morgens aus dem Haus geht, macht er eine Platte feinsten Elektrolärms auf voller Lautstärke an. Sie läuft in endlos Schleife bis er abends nach Hause kommt.
Er dreht spät nachts und früh am Morgen eben diese Elektromüll Musik auf volle Lautstärke auf, jedoch nie länger als jeweils 10 Sekunden. Dies wiederholt er mehrere Tage hintereinander, aber zu unterschiedlichen Zeiten.
Er stellt Samstag nachmittags eine Schlagbohrmaschin an und lässt sie laufen, ohne dass er damit irgendetwas bohrt.
Wenn ihm das zu harmlos ist, bohrt er wahllos in die Zimmerwände, einfach nur, weil er es kann und dies "so ein schönes Gefühl bis in die Zähne gibt" (M).
Er legt die Bohrmaschine in laufendem Zustand ins Treppenhaus. "Damits ordentlich hallt."
Ich verneige mich in Ehrfurcht vor dieser Boshaftigkeit. Meine hirnverbrannten Nachbarn haben even schlimmeres verdient. But that´s another post.

Kommentare:

wie hieß nur dieses buch, nachdem du mich benanntest.... hat gesagt…

nicht so bescheiden, meine liebe madame. auch wenn du mein zitat nahmst, welches ich von harald schmidt nahm, der es wiederum von heiner müller nahm, bin ich deine EXISTENTE leserschaft. ab sofort! ich finds gut. deinen text. wirklich! ich schleime nicht! wozu auch? weil du mich dauernd fertig machst und ich so auf schadensbegrenzung hoffe? mitnichten. ich finds wirklich gut. weiter so.

la bonette hat gesagt…

Ich find mich auch gut. Und dich auch. Zumeist. Das Zitat kannste ich schon vor dir und Harald. Ich hab damals mit Heiner in seiner 2 Raum Butze in Lichtenberg gesessen als er drauf kam.

Jana hat gesagt…

Studentinnen, die mit 20 nicht partygeil, sondern geräuschempfindlich sind, verdienen keine geringere Strafe.

kobeld der verkehrtheit hat gesagt…

also wer bloß diese Jana ist... seltsamer mensch.